Selbstfinanzierungsgrad

Der Selbstfinanzierungsgrad gibt an, welchen Anteil ihrer Nettoinvestitionen eine Gemeinde aus eigenen Mitteln finanzieren kann. Der Selbstfinanzierungsgrad sollte gemäss Verordnung über den Finanzhaushalt der Gemeinden (FHGV) im Durchschnitt von 5 Jahren mindestens 80 Prozent erreichen, wenn die Nettoschuld pro Einwohner/in mehr als das kantonale Mittel beträgt. Der Selbstfinanzierungsgrad wird über 5 Jahre berechnet, da die jährlichen Werte insbesondere in kleinen Gemeinden erheblichen Schwankungen unterliegen. 2019 bis 2022 wird die Berechnung des 5-Jahres-Durchschnitts mit Daten nach HRM1 vervollständigt.

Ergebnisse

Im Rechnungsjahr 2020 weisen 12 Gemeinden einen Selbstfinanzierungsgrad über 5 Jahre von unter 80 Prozent und eine Nettoschuld pro Einwohner/in über dem Kantonsdurchschnitt aus. Damit unterschritten sie den Grenzwert, der für sie aufgrund der überdurchschnittlichen Nettoschuld von Relevanz ist. Die Gemeinden Doppleschwand, Egolzwil und Ruswil erfüllen den Grenzwert neu nicht mehr; Oberkirch und Schongau hingegen erfüllen ihn neu. Einen Selbstfinanzierungsgrad von unter 80 Prozent, jedoch verbunden mit einer unterdurchschnittlichen Nettoschuld, weisen 6 Gemeinden aus. Für diese Gemeinden ist damit der Grenzwert nicht von Bedeutung.

Einen Selbstfinanzierungsgrad über 5 Jahre von 100 Prozent und mehr weisen 50 Gemeinden vor. Darunter sind 28 Gemeinden mit einem hohen Selbstfinanzierungsgrad von 150 Prozent und mehr. Alberswil weist sogar einen Selbstfinanzierungsgrad von 13'936 Prozent aus. Dies deshalb, weil Alberswil in den Jahren 2016, 2018 und 2019 negative Nettoinvestitionen ausgewiesen hatte. Dadurch resultieren im 5-Jahres-Mittel sehr tiefe Nettoinvestitionen, die zum entsprechend hohen Selbstfinanzierungsgrad über 5 Jahre führen. Ein Selbstfinanzierungsgrad von über 100 Prozent ermöglicht einer Gemeinde einen Schuldenabbau. Im kantonalen Durchschnitt beträgt diese Kennzahl 108,3 Prozent. Das sind 2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

Spezialfälle

Bei negativer Selbstfinanzierung wird in obenstehendem Kartogramm der Selbstfinanzierungsgrad negativ ausgewiesen. Der Grenzwert gilt in diesem Fall als nicht eingehalten, wenn zusätzlich die Nettoschuld pro Einwohner/in mehr als das kantonale Mittel beträgt. Bei negativen Nettoinvestitionen und gleichzeitig positiver Selbstfinanzierung gilt der Grenzwert als eingehalten. In diesem Fall wird die entsprechende Gemeinde im Kartogramm dunkelgrau eingefärbt. Bei sehr tiefen, positiven Nettoinvestitionen kann der Selbstfinanzierungsgrad auf über 1'000 Prozent steigen.

Definition

Selbstfinanzierung in Prozent der Nettoinvestitionen.

Selbstfinanzierung: Gesamtergebnis der Erfolgsrechnung plus Abschreibungen auf dem Verwaltungsvermögen und Investitionsbeiträgen, zuzüglich dem Saldo aus Einlagen in und Entnahmen aus Fonds und Spezialfinanzierungen, sowie dem Saldo aus Wertberichtigungen auf Anlagen, Darlehen und Beteiligungen und weiterer Konten. Ausserdem werden die Entnahmen aus dem Eigenkapital abgezogen sowie der Zins und die Amortisation von Pensionskassenverpflichtungen dazugezählt. Für eine detaillierte Aufstellung der Berechnung der Selbstfinanzierung vgl. die Definition der Finanzkennzahlen im Handbuch zum Gesetz über den Finanzhaushalt der Gemeinden.

Nettoinvestitionen: Saldo zwischen Investitionsausgaben und -einnahmen.

Daten