Gesellschaftliche und wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Bildung findet nicht isoliert statt, sondern ist in verschiedene Kontexte eingebunden. So hat beispielsweise die Entwicklung der Geburtenzahlen, aber auch die Bevölkerungsentwicklung durch Zu- bzw. Abwanderung massgeblichen Einfluss auf die Ausgestaltung des Bildungssystems. Daneben sind auch gesellschaftliche Entwicklungen, wie beispielsweise die Bildungs- und Erwerbsbeteiligung der Frauen oder die Tertiarisierung diverser Ausbildungsprofile zu erwähnen. Gemeint ist damit die Verschiebung von Ausbildungen von der Sekundarstufe II auf die Tertiärstufe, wie dies beispielsweise bei der Lehrerausbildung geschehen ist. Nicht zuletzt zählen die Wirtschaft und ihre Entwicklung zu den wichtigsten Rahmenbedingungen des Bildungssystems: Während die Wirtschaft den quantitativen und qualitativen Bedarf an Arbeitskräften beeinflusst, leistet sie gleichzeitig auch einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung von zukünftigen Fachkräften.

Im Folgenden werden demografische, wirtschaftliche, soziale und gesundheitliche Rahmenbedingungen des Bildungsgeschehens im Kanton Luzern beleuchtet und einige wichtige Entwicklungen der letzten Jahre skizziert.

Demografie

Die demografische Entwicklung beeinflusst die Anforderungen an das Bildungssystem unmittelbar. So gibt die Anzahl der Kinder und Jugendlichen den Bedarf an Bildungsangeboten und -infrastrukturen vor. Das Verhältnis der verschiedenen Altersgruppen zueinander ermöglicht zudem Aussagen über die Tragbarkeit respektive die relativen Kosten der Bildung für die Gesellschaft als Ganzes. Und der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund gibt Hinweise zur kulturellen Vielfalt der Bevölkerung.

Luzerner Bevölkerung wächst

Seit der Jahrtausendwende ist die Luzerner Bevölkerung um mehr als 20 Prozent gewachsen. Der Kanton zählt heute rund 425'000 Einwohnerinnen und Einwohner. In den vergangenen zehn Jahr betrug das Wachstum rund 1 Prozent im Jahr (vgl. Bildungsindikator Bevölkerungswachstum).

Grosse regionale Unterschiede beim Bevölkerungswachstum

Das Bevölkerungswachstum fällt regional unterschiedlich aus. Gewachsen ist die Bevölkerung im vergangenen Jahrzehnt vor allem im nördlichen und östlichen Teil des Kantons, wo einzelne Gemeinden um mehr als 30 Prozent gewachsen sind. Am grössten war die Bevölkerungszunahme in der Gemeinde Honau mit fast 40 Prozent. Am schwächsten fiel das Wachstum in der Region Entlebuch aus. Hier nahm die Bevölkerung in 4 von 7 Gemeinden sogar ab. In der Stadt Luzern wuchs die Bevölkerung mit einem Plus von gut 5 Prozent unterdurchschnittlich. Über den ganzen Kanton betrachtet betrug das Wachstum 10 Prozent.

Bevölkerung wächst hauptsächlich durch Zuwanderung

In den vergangenen zwei Jahrzehnten war der positive Wanderungssaldo stets höher als der Geburtenüberschuss. Das heisst, die Luzerner Bevölkerung wächst hauptsächlich durch Zuwanderung. Im Zeitraum von 2011 bis 2022 trug in neun der elf Analyseregionen der Wanderungssaldo mehr zum Wachstum bei als der Geburtenüberschuss. Einzig in den Regionen Rottal-Wolhusen und Entlebuch wurde das Bevölkerungswachstum stärker durch den Geburtensaldo als durch den Wanderungssaldo getrieben. Die Region Entlebuch verzeichnete über den gesamten Zeitraum sogar mehr Weg- als Zuzüge, sie wuchs also ausschliesslich durch die Geburten.

In erster Linie sind es die Zuzüge aus dem Ausland, die zum Wachstum beitragen. Seit den 2000er-Jahren zogen im Durchschnitt pro Jahr rund 2'000 ausländische Personen mehr in den Kanton Luzern, als Schweizerinnen und Schweizer zuzogen. Die Zuzüge erfolgen vor allem von Personen aus dem EU-Raum. Die grössten ausländischen Gruppen stammten in den letzten zehn Jahren aus Deutschland, Italien und Portugal.

Bevölkerung wird vielfältiger

Rund 30 Prozent der Luzerner Bevölkerung im Alter ab 15 Jahren haben einen Migrationshintergrund. Im Lauf eines Jahrzehnts ist der Anteil um rund 5 Prozentpunkte gewachsen. Von den Personen mit Migrationshintergrund sind rund 6 von 10 Ausländerinnen und Ausländer, die grossmehrheitlich in der ersten Generation im Kanton Luzern leben.

Insgesamt betrug der Ausländeranteil im Kanton Luzern im Jahr 2022 rund 20 Prozent (CH-Durchschnitt: 26%). Er wuchs in den vergangenen zwanzig Jahren um rund 5 Prozentpunkte. Im regionalen Vergleich ist die Spannbreite gross: Sie reicht von weniger als 3 Prozent in der Gemeinde Hasle bis mehr als 30 Prozent in Nebikon oder Emmen (31% resp. 37%). In der Stadt Luzern betrug der Anteil rund 25 Prozent.

 

 

Die Gruppe der ausländischen Staatsangehörigen ist im Lauf der Zeit heterogener geworden. Das zeigt sich in der Entwicklung der vertretenen Nationalitäten. Deren Zahl nahm von rund 120 in den frühen 1990er-Jahren auf derzeit mehr als 160 Nationalitäten zu. Um die Jahrtausendwende bildeten Personen aus Serbien/Montenegro/Kosovo sowie Personen aus Italien die grössten Gruppen innerhalb der ausländischen Bevölkerung im Kanton (30% resp. 15%). Im Jahr 2022 wiesen Personen aus Deutschland sowie Personen aus Italien die grössten Anteile auf (18% resp. 11%). Zu beiden Zeitpunkten folgten an dritter Stelle jeweils die Personen aus Portugal (2010: 7%; 2022: 9%).

Immer mehr Kinder und Jugendliche sind fremdsprachig

Gut 3 von 10 Kindern und Jugendlichen, welche die obligatorische Schule im Kanton Luzern besuchen, sind fremdsprachig. Das heisst, sie sprechen Deutsch nicht als Erstsprache (Schuljahr 2022/23: 31%). Dieser Anteil nahm seit der Jahrtausendwende um gut 10 Prozentpunkte zu. Die häufigste nichtdeutsche Erstsprache ist Albanisch, gefolgt von Serbisch/Kroatisch/Bosnisch/Montenegrinisch und Portugiesisch.

Damit Kinder mit genügend Deutschkenntnissen in die Schule eintreten können, besteht in den Luzerner Gemeinden die frühe Sprachförderung (vgl. Kap. vorschulische Bildungs- und Betreuungsangebote). Nach ihrer Einschulung besuchen Lernende, die noch nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen, den Unterricht in "Deutsch als Zweitsprache (DaZ)" (vgl. Kap. Lernende der obligatorischen Schulstufen).

Bildungsniveau der ausländischen Bevölkerung ist deutlich angestiegen

Langfristig betrachtet hat sich das Bildungsniveau der Luzerner Bevölkerung erhöht (vgl. Kap. Bildungsnutzen und Bildungsindikator Bildungsstand). Das Bildungsniveau nahm nicht nur im Zug der allgemeinen Bildungsexpansion zu, sondern auch aufgrund der interkantonalen und internationalen Wanderungsbewegungen. Um die Jahrtausendwende hatte noch mehr als jede zweite ausländische Person im Alter ab 25 Jahren keine nachobligatorische Ausbildung absolviert, zwanzig Jahre später war das bei nicht ganz jeder dritten ausländischen Person der Fall. Im gleichen Zeitraum hat sich der Anteil der ausländischen Wohnbevölkerung mit Abschluss auf Tertiärstufe mehr als verdoppelt: Er nahm von rund 16 Prozent auf 33 Prozent zu.

Als Folge des wirtschaftlichen Strukturwandels hin zu einer globalisierten Dienstleistungsgesellschaft nahm die Zuwanderung hochqualifizierter Personen in die Schweiz zu (vgl. Höpflinger 2020: 131). Seit der Jahrtausendwende steht die Zuwanderung in Zusammenhang mit der Personenfreizügigkeit im Rahmen der bilateralen Verträge der Schweiz mit der EU. Diese Abkommen führen vermehrt Frauen und Männer aus einem EU-Land als Erwerbstätige in die Schweiz (ebd.). Die Zuwanderung aus dem EU-Raum hat in den letzten zwanzig Jahren massgeblich dazu beigetragen, den grossen Bedarf an hochqualifizierten Arbeitskräften in der Schweiz zu decken (SECO 2023: 28). Aus anderen Ländern ist nur eine Einwanderung von Spezialistinnen und Spezialisten zugelassen, die nicht in EU oder EFTA-Staaten rekrutiert werden können (Höpflinger 2020: 131).

Vom Bildungsabschluss kann jedoch – vor allem bei Zugewanderten – nicht direkt auf die tatsächlich verrichtete Arbeit geschlossen werden. Aufgrund der unterschiedlichen Bildungssysteme können in der Schweiz und im Ausland erlangte Abschlüsse nur bedingt miteinander verglichen werden (LUSTAT 2017: 24).

Altersstruktur

Die Altersstruktur der Bevölkerung verändert sich. Der Anteil der jüngeren Bevölkerung nimmt ab, während der Anteil der älteren Bevölkerung zunimmt. Gut ersichtlich ist in der Alterspyramide der demografische Echoeffekt. Auf eine grosse Generation folgen um eine Generation verzögert wiederum stärkere Geburtenjahrgänge. Das zeigt sich in der grafischen Darstellung an den verschiedenen Ausbauchungen. Der demografische Echoeffekt ist unter anderem ein Grund dafür, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die derzeit die Luzerner Schulen besuchen, wieder zunimmt.

Ausländische Bevölkerung ist tendenziell jünger

Die Alterspyramide zeigt auch deutlich, dass sich die Altersstruktur der schweizerischen und der ausländischen Bevölkerung unterscheidet. Während bei der Bevölkerung mit Schweizer Nationalität die Personen im Alter zwischen etwa 50 und 60 Jahren klar die grösste Gruppe bilden, leben am meisten ausländische Personen im Alter zwischen etwa 30 und 45 Jahren im Kanton Luzern. Vor allem die älteren Jahrgänge sind in der ausländischen Bevölkerung deutlich schwächer vertreten. Zugewanderte weisen im Durchschnitt eine jüngere Altersstruktur auf als die einheimische Bevölkerung.

Jugendquotient geht zurück

Die Altersstruktur ist eine Schlüsselgrösse zukünftiger gesellschaftlicher Herausforderungen. Unter anderem hat sie auch Auswirkungen auf die Finanzierung des Bildungswesens. Eine Verschiebung in der Altersstruktur der Bevölkerung verändert die relativen Kosten der Bildung für die Gesellschaft als Ganzes.

Der Jugendquotient zeigt das Verhältnis der Kinder und Jugendlichen zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter. Je höher der Jugendquotient, desto mehr Kinder und Jugendliche im Schul- und Ausbildungsalter kommen auf eine Person im erwerbsfähigen Alter. Gemeinden mit hohem Jugendquotient stehen bezüglich Bildungsplanung und -finanzierung vor anderen Herausforderungen als solche, bei denen der Anteil der Kinder und Jugendlichen abnimmt.

Der Jugendquotient ging in den letzten Jahrzehnten im Kanton Luzern deutlich zurück und liegt im Jahr 2022 bei 33 Prozent (vgl. Bildungsindikator Altersstruktur der Bevölkerung). Insgesamt variiert der Jugendquotient stark zwischen den Luzerner Gemeinden. So beträgt der Anteil der 0- bis 19-Jährigen an der 20- bis 64-jährigen Bevölkerung zwischen 25 Prozent in der Gemeinde Weggis und 44 Prozent in der Gemeinde Schlierbach. Ländliche Gemeinden weisen oftmals hohe Jugendquotienten aus, die regionalen Zentren und ein Teil der Agglomerationsgemeinden hingegen verhältnismässig tiefe.

Es gilt jedoch zu beachten, dass der Jugendquotient durch zwei Faktoren beeinflusst wird: Die Zahl der Jugendlichen einerseits und die Zahl der Personen im erwerbsfähigen Alter anderseits. Eine Zunahme des Jugendquotienten bedeutet also nicht zwangsläufig, dass mehr Jugendliche in einer Gemeinde leben, sie kann auch durch einen Rückgang der 20- bis 64-jährigen Bevölkerung verursacht werden. Das Verhältnis der Schülerinnen und Schüler zur Gesamtbevölkerung wird anhand der Schülerintensität ausgewiesen (vgl. Kap. Lernende der obligatorischen Schulstufen).

Bevölkerungs- und Bildungsszenarien

Bevölkerungs- und Bildungsszenarien sind Modellberechnungen, welche die Entwicklung der ständigen Wohnbevölkerung respektive die Entwicklung der Lernenden- und Studierendenzahlen für zukünftige Zeiträume fortschreiben. Solchen Modellen kommt bei der Planung des zukünftigen Bedarfs an Lehrkräften und Schulinfrastrukturen eine grosse Bedeutung zu.

Luzerner Bevölkerung wird voraussichtlich stark weiterwachsen

Gemäss dem mittleren Bevölkerungsszenario von LUSTAT wird die ständige Wohnbevölkerung des Kantons Luzern zwischen 2022 und 2050 um rund 16 Prozent anwachsen, nämlich von derzeit rund 425'00 auf rund 491'000 Einwohnerinnen und Einwohner (vgl. Webartikel Bevölkerungsszenarien).

Die zukünftige Bevölkerungsentwicklung ist aber nicht nur durch Wachstum, sondern auch durch eine fortschreitende Verschiebung der Altersstruktur gekennzeichnet. Die Altersstruktur wird sich in den nächsten knapp dreissig Jahren weiter deutlich in Richtung der älteren Bevölkerungsgruppen verschieben. Der Anteil der mittleren Altersgruppe (20–64 Jahre) an der Bevölkerung wird schrumpfen. Gleiches gilt auch für den Anteil der Unter-20-Jährigen.

Regional wird die Bevölkerungsentwicklung voraussichtlich stark differenziert verlaufen. Die Unterschiede zwischen dem ländlichen Südwesten und dem übrigen Kantonsgebiet dürften sich weiter akzentuieren. Die Bevölkerungen der Analyseregionen Agglomerationskern und Rooterberg/Rigi werden am stärksten wachsen. In den Analyseregionen Entlebuch und Seetal wird ein Rückgang der Bevölkerung erwartet.

Zahl der Lernenden wird in den nächsten zwanzig Jahren zunehmen

Im Kanton Luzern hat die Einschulung geburtenstarker Jahrgänge dazu geführt, dass die Zahl der Kinder seit dem Schuljahr 2010/11 wieder ansteigt, dies von der Kindergartenstufe her allmählich über die weiteren Schulstufen. Seit dem Schuljahr 2018/19 erhöhen sich auch auf der Sekundarstufe I die Lernendenzahlen.

Dieser Trend wird sich gemäss den LUSTAT-Bildungsszenarien auch in den nächsten Schuljahren weiter fortsetzen (vgl. Bildungsindikator Bildungsszenarien). Nebst den demografischen Entwicklungen beeinflussen strukturelle Veränderungen im Bildungssystem die Grundgesamtheit der Lernenden.

Die Bildungsszenarien werden in den beiden Kapiteln "Lernende der obligatorischen Schulstufen" und "Lernende der Sekundarstufe II" detailliert betrachtet.

Familiäres Zusammenleben

Wie in anderen Ländern ist in der Schweiz seit mehreren Jahrzehnten eine Individualisierung und Pluralisierung der Lebensformen zu beobachten. Um die Jahrtausendwende hatte ein Luzerner Haushalt durchschnittlich aus 2,4 Personen bestanden, 2021 waren es noch 2,2 Personen (vgl. Kennzahl Haushaltsgrösse). Diese Entwicklung steht in engem Zusammenhang mit dem rückläufigen Anteil der Familienhaushalte und der zunehmenden Anzahl der Haushalte mit Paaren ohne Kinder.

Der Anteil der Familienhaushalte mit Kindern an allen Privathaushalten hat im Lauf der Zeit nicht nur abgenommen, die Familien selbst sind auch kleiner geworden. Hatten 2010 noch 22 Prozent aller Familien im Kanton Luzern 3 oder mehr Kinder, waren es im Jahr 2022 noch 19 Prozent. Rund 37 Prozent der Familien waren Ein-Kind-Familien.

Die Form des familiären Zusammenlebens hat unter anderem einen Einfluss darauf, welche finanziellen und zeitlichen Ressourcen den Eltern zur Unterstützung ihrer Kinder zur Verfügung stehen. Es kann den individuellen Bildungserfolg der Kinder und Jugendlichen beeinflussen. Darüber hinaus hat es auch einen Einfluss auf die Nachfrage nach Betreuungsangeboten.

Deutliche regionale Unterschiede beim Anteil der Familienhaushalte

Im Jahr 2021 waren 28 Prozent der Privathaushalte im Kanton Luzern Familienhaushalte mit Kindern im Alter bis zu 25 Jahren (vgl. Sozialindikator Familien). Der Grossteil der Familienhaushalte bestand aus verheirateten Paaren mit einem oder mehreren Kindern (77%). Rund 13 Prozent waren Haushalte von Alleinerziehenden. Der Anteil der Haushalte von Alleinerziehenden veränderte sich in den letzten zehn Jahren kaum.

Wird die regionale Verteilung der Haushalte betrachtet, in denen Kinder unabhängig ihres Alters leben, zeigen sich deutliche Unterschiede. Am höchsten ist der Anteil der Haushalte mit Kindern derzeit in der Region Michelsamt/Surental, am kleinsten in der Stadt Luzern. Das hat sich in den vergangenen zehn Jahren nicht verändert. Allerdings hat der Anteil der Haushalte mit Kindern seither in allen Regionen mit Ausnahme der Stadt Luzern abgenommen. Am stärksten zurückgegangen ist er in den Regionen Rottal-Wolhusen und im Seetal. Im Jahr 2021 lebten im Michelsamt/Surental in 2 von 5 Privathaushalten Kinder, in der Stadt Luzern in etwas mehr als 1 von 5 Haushalten.

Mehr Frauen und Männer verbinden Familie und Berufstätigkeit

Immer mehr Frauen und Männer verbinden Familie und Berufstätigkeit. So hatten im Kanton Luzern vor zehn Jahren rund 16 Prozent der Mütter und Väter mit einem oder mehreren Kindern im Alter von 5 bis 10 Jahren in einem grösseren Teilzeitpensum (50–89%) gearbeitet. Im Jahr 2021 taten dies gut 22 Prozent. Bei den Müttern betrug der Anteil rund 35 Prozent, bei den Vätern fast 9 Prozent (vgl. Bildungsindikator Vereinbarkeit Familie und Beruf).

Die wachsende Erwerbsbeteiligung der Frauen ist mit einem grundlegenden sozialen Wandel verbunden: Während das traditionelle Familienmodell mit vollerwerbstätigem Vater und nichterwerbstätiger Mutter an Bedeutung verliert, gewinnen neue Formen der Rollen- und Arbeitsteilung an Verbreitung (BFS 2019: 13). Bei der Wahl eines Erwerbsmodells orientieren sich die Familien häufig am Alter des jüngsten Kindes. Je älter die Kinder werden, desto häufiger steigt die Frau wieder ins Erwerbsleben ein oder erhöht ihr Arbeitspensum.

Im Jahr 2021 betrug der Anteil des Modells "Mann-Vollzeit/Frau-nicht-erwerbstätig" bei den Familien mit Kindern im Vorschulalter rund 22 Prozent, bei den Familien mit Kindern im Alter von 7 bis 14 Jahren hingegen noch rund 14 Prozent. Der Anteil des Modells "Mann-Vollzeit/Frau-Vollzeit" nahm umgekehrt von 9 Prozent bei den Familien mit Kindern im Vorschulalter auf 21 Prozent bei den Familien mit Kindern zwischen 15 und 25 Jahren zu. Am stärksten verbreitet war jedoch im Kanton Luzern das Modell "Mann-Vollzeit/Frau-Teilzeit", das unabhängig vom Alter der Kinder von mehr als der Hälfte der Paare mit Kindern gelebt wird.

Rund 3 von 5 Paaren mit Kindern bis im Alter von 12 Jahren nutzen familienergänzende Kinderbetreuung

Die Erhebung zu Familien und Generationen 2018 zeigt, dass im Kanton Luzern alltägliche Arbeiten rund um den Schulbesuch der Kinder häufig von den Müttern erledigt werden (vgl. Webartikel Familien und Generationen). So ist in über der Hälfte (58%) der Paarhaushalte mit Kindern bis im Alter von 12 Jahren die Hilfe bei den Hausaufgaben eine Sache der Mutter und in nicht ganz einem Drittel (31%) eine gemeinsame Aufgabe von Mutter und Vater. Ebenfalls in mehr als der Hälfte (53%) dieser Paarhaushalte mit Kindern bringt die Mutter die Kinder in die Krippe oder zur Schule, in rund 41 Prozent ist dies eine gemeinsame Aufgabe von Mutter und Vater.

Im Rahmen der Erhebung zu Familien und Generationen 2018 gaben 39 Prozent der Luzerner Familien mit Kindern im Alter zwischen 0 und 12 Jahren an, dass sie keine familienergänzende Kinderbetreuung brauchen. 32 Prozent nutzten nichtinstitutionelle Kinderbetreuung und 16 Prozent ausschliesslich institutionelle Angebote. 13 Prozent der Familien griffen sowohl auf institutionelle als auch auf nichtinstitutionelle familienergänzende Kinderbetreuung zurück.

Die Bevölkerungsbefragung 2023 zeigt, dass die Luzerner Bevölkerung insgesamt mit den Angeboten der schulergänzenden Kinderbetreuung zufriedener ist als mit der familienergänzenden Kinderbetreuung (vgl. Webartikel kantonale Bevölkerungsbefragung 2023). Von den Familien mit Kleinkindern sind 45 Prozent mit der familienergänzenden Kinderbetreuung zufrieden, bei den Familien mit Kindern im Alter zwischen 6 und 17 Jahren sind es 54 Prozent. Mit der schulergänzenden Kinderbetreuung zeigen sich 66 Prozent der Familien mit Schulkindern zufrieden.

Kinder und Jugendliche sind vor allem in Haushalten von Alleinerziehenden armutsgefährdet

Die materielle Situation eines Haushalts übt einen grossen Einfluss auf die Möglichkeiten der Lebensgestaltung aus. Vor allem die Zusammensetzung der Haushalte beeinflusst die Armutsgefährdung und damit die Lebensumstände der Kinder und Jugendlichen (SKBF 2023: 13). Allgemein sind Familien mit minderjährigen Kinder eher armutsgefährdet als Familien mit älteren Kindern. Das ist ein Hinweis darauf, dass mit zunehmenden Alter der Kinder das Haushaltseinkommen zunimmt, sei es durch höhere Einkommen der Elternteile, sei es durch Beiträge von Jugendlichen, die eine berufliche Grundbildung absolvieren (SKBF 2023: 13). Am stärksten armutsgefährdet sind jedoch die Haushalte von Alleinerziehenden. Minderjährige sind also nicht generell einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt, sondern hauptsächlich, wenn sie mit nur einem Elternteil zusammenleben.

Im Jahr 2022 bezogen im Kanton Luzern 2,8 Prozent aller Privathaushalte wirtschaftliche Sozialhilfe (WSH) (vgl. Webartikel Sozialhilfe im Kanton Luzern 2022). Von den Haushalten mit minderjährigen Kindern benötigten 1,0 Prozent der Ehepaare und 6,5 Prozent der unverheirateten Paare wirtschaftliche Sozialhilfe. Der Anteil der Haushalte mit einem alleinerziehenden Elternteil (meistens Mütter) mit Unterstützung der wirtschaftlichen Sozialhilfe betrug 19,9 Prozent.

Gesundheit der Kinder und Jugendlichen

Die Kinder und Jugendlichen wachsen im Spannungsfeld altersspezifischer Entwicklungsphasen und den Ansprüchen ihres privaten und öffentlichen Umfelds auf. Gesundheitliche Probleme können sich auf alle Lebensbereiche auswirken: Sie beeinträchtigen die schulische Laufbahn, die familiären Beziehungen, den Kontakt zu den Gleichaltrigen und die Suche nach dem eigenen Lebensweg (vgl. BAG Gesundheit in Kindheit und Jugend).

Vor allem mehr junge Frauen mit psychischen Problemen

Rund 85 Prozent der Kinder und Jugendlichen in der Schweiz im Alter von 11 bis 15 Jahren schätzten ihre Gesundheit im Jahr 2022 als gut oder ausgezeichnet ein. Rund 67 Prozent wiesen ein mittleres bis hohes psychisches Wohlbefinden auf. Das zeigen die Resultate der Befragung zum Gesundheitsverhalten und Lebensstil von Schulkindern (befragt werden schweizweit Schüler/innen des 5. bis 9. Schuljahrs, vgl. HBSC). Allerdings zeigen sich im zeitlichen Vergleich deutliche Verschlechterungen, dies vor allem bei den Mädchen. Rund 34 Prozent der Jugendlichen fühlten sich durch die Arbeit für die Schule gestresst, wobei das ebenfalls bei den Mädchen häufiger der Fall war als bei den Jungen und bei den Schulkindern in der Sekundarstufe I häufiger als in der Primarschule.

Eine spezifische Belastung stellte die Covid-19-Pandemie und der damit verbundene Lockdown für die Kinder und Jugendlichen dar. Sie gaben an, dass sie wegen der Beeinträchtigung des Sozial- und Freizeitlebens sowie wegen der Ungewissheit über die Dauer des Ausnahmezustands unter erhöhtem Stress standen (vgl. SKBF 2023: 16). Bezüglich der psychischen Gesundheit gilt die Pandemie als Beschleunigerin einer Entwicklung, die sich schon früher abzuzeichnen begann (vgl. HBSC 2023a: 10). Auch unter jungen Erwachsenen wird in der Schweiz eine Zunahme an Depressionssymptomen beobachtet (vgl. YASS 2022: 94).

Eine grosse Mehrheit der Kinder und Jugendlichen ist täglich online

Die digitale Welt bietet viele praktische Annehmlichkeiten und bietet Zugang zu einer Vielzahl von Inhalten. Einige Funktionalitäten und Online-Dienste bergen aber auch gesundheitliche Risiken für die psychosoziale Entwicklung junger Menschen. Das zeigt die bereits im vorhergehenden Abschnitt zitierte Studie zum Lebensstil und Gesundheitsverhalten der 11- bis 15-Jährigen (HBSC 2023b: 8–10).

In der Schweiz ist die Mehrheit der 11- bis 15-Jährigen täglich online. Rund 65 Prozent nutzen täglich soziale Netzwerke und etwa 20 Prozent gamen täglich. Weiter hören rund 48 Prozent Musik und etwa 20 Prozent schauen Filme und Serien per Streaming. Etwa 10 Prozent nutzen das Internet für ihre Hausaufgaben. Die Online-Aktivitäten nehmen mit dem Alter zu. Insgesamt weisen etwa 7 Prozent der 11- bis 15-Jährigen eine problematische Nutzung der sozialen Netzwerke auf. Dabei ist das bei den Mädchen häufiger der Fall als bei den Jungen. Beim Gamen wiesen rund 3 Prozent der Jugendlichen ein problematisches Verhalten auf. Hier zeigen sich keine Unterschiede nach Geschlecht. 11 Prozent der 11- bis 15-Jährigen gaben an, bereits einmal im Internet gemobbt worden zu sein.

Nur eine Minderheit der 15-Jährigen hat noch nie psychoaktive Substanzen konsumiert

Die Adoleszenz ist charakterisiert durch das Bedürfnis, Neues auszutesten, und die erhöhte Bereitschaft, Risiken einzugehen, zum Beispiel in Bezug auf psychoaktive Substanzen. Exploratives Verhalten gilt gemäss der bereits in den vorhergehenden Abschnitten zitierten HBSC-Studie als ein normaler Aspekt des Entwicklungsprozesses, kann aber auch negative Folgen haben und beispielsweise eine Sucht nach sich ziehen (vgl. HBSC 2023c).

Fast ein Viertel der 15-Jährigen hatte sich in den 30 Tagen vor der HBSC-Erhebung mindestens einmal in den Rausch getrunken. Etwa 2 Prozent dieser Altersgruppe tranken regelmässig Alkohol. Tabak- und Nikotinprodukte hatten mehr als zwei Drittel im Monat vor der Erhebung konsumiert. Etwa 3 Prozent der 15-Jährigen rauchten täglich Zigaretten. Etwa jede/r Fünfte der Jugendlichen hatte den Alkohol und etwa jede/r Zweite die Zigaretten selbst gekauft. Am häufigsten bekamen sie aber durch vertraute Personen wie Freunde oder Eltern Zugang zu diesen Produkten.

Etwa 10 Prozent der 15-Jährigen hatten in den 30 Tagen vor der HBSC-Erhebung mindestens einmal Cannabis konsumiert. Insgesamt steigt bei den Jugendlichen der Konsum psychoaktiver Substanzen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren an, sodass bei den Älteren nur eine Minderheit noch nie solche Substanzen konsumiert hat. Generell tendieren die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen dazu, geringer zu werden. Wie in der HBSC-Studie festgehalten wird, wies eine angesichts der Risiken nicht zu vernachlässigende Minderheit der Jugendlichen einen häufigen Konsum und einen Mischkonsum von Medikamenten auf.

Suchtprävention im Kanton Luzern

Die Suchtprävention des Kantons Luzern hat zum Ziel, einer allfälligen Sucht vorzubeugen. Dabei geht es um die Auseinandersetzung mit der Sucht, möglichen Suchtursachen und exzessiven Verhaltensweisen. Die Risikofaktoren sollen minimiert und die Schutzfaktoren aufgebaut und gestärkt werden, wobei hier die Förderung der Lebenskompetenzen im Zentrum steht.

Suchtprävention der Dienststelle Volksschulbildung

Anteil der übergewichtigen Kinder und Jugendlichen nimmt mit Alter zu

Ebenfalls häufig thematisiert wird in Zusammenhang mit der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen deren Gewicht. Im Rahmen des Luzerner Monitoring zum Body-Mass-Index waren von rund 1'100 Kindern und Jugendlichen, die im Rahmen der Studien untersucht wurden, 15 Prozent übergewichtig oder adipös. Dieser Anteil blieb im zeitlichen Vergleich stabil (vgl. GSD/PHLU 2021). Allerdings nimmt der Anteil der übergewichtigen oder adipösen Kinder mit dem Alter der Kinder zu. Er lag im Kindergarten bei rund 11 Prozent und in der achten Klasse bei fast 20 Prozent. Die Verbreitung des Übergewichts variierte nach sozialer Herkunft. So sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sowie aus bildungsfernen Familien häufiger betroffen als Schweizer Kinder oder Kinder von Eltern mit höherer Ausbildung. Der Anteil der übergewichtigen Jugendlichen war an den Berufsfachschulen deutlich höher als an den Gymnasien.

Kinder und Jugendliche treiben wieder mehr Sport

Im Rahmen der Erhebung "Sport Schweiz" werden auch die sportlichen Aktivtäten von Kindern und Jugendlichen schweizweit erfasst. Gemäss dieser Studie waren im Jahr 2020 die 10- bis 14-Jährigen in der Woche im Durchschnitt rund 7,5 Stunden sportlich aktiv, die 15- bis 19-Jährigen rund 6,5 Stunden (Deutschschweiz: 8 und 6,3h). In beiden Altersgruppen waren die männlichen Jugendlichen aktiver als die weiblichen, die Unterschiede hatten sich aber im Lauf von zwölf Jahren verkleinert (vgl. Sport Schweiz 2021: 10, 11). Es zeigt sich, dass die sportliche Aktivität der Kinder und Jugendlichen stark von der Sportaktivität der Eltern abhängt, weiter haben die elterliche Bildung, die Höhe des Haushaltseinkommens (ebd.: 35) und der Migrationsstatus einen Einfluss (ebd.: 36, 37).

Wirtschaft

Die Wirtschaft und ihre Entwicklung zählen zu den wichtigen Rahmenbedingungen des Bildungssystems. Sie beeinflusst einerseits massgebend den Bedarf an Arbeitskräften und trägt anderseits zur Ausbildung zukünftiger Fachkräfte bei. Gesamtgesellschaftlich gehen von einem höheren Bildungsstand der Bevölkerung positive wirtschaftliche Impulse aus. Umgekehrt erhöht Wirtschaftswachstum die Nachfrage nach höheren Bildungsqualifikationen.

Stärkeres BIP-Wachstum in Luzern als in der Gesamtschweiz

Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise vor etwas mehr als zehn Jahren hat sich die Luzerner Wirtschaft – wie die Schweizer Wirtschaft und die Weltwirtschaft insgesamt – wachstumsstark entwickelt. Im Kanton Luzern ist das Bruttoinlandprodukt (BIP) pro Kopf der Bevölkerung fast kontinuierlich angestiegen. Im Jahr 2021 betrug es 72'019 Franken (vgl. Wirtschaftskennzahl Bruttoinlandprodukt). Damit lag das Luzerner BIP zwar weiterhin unter den BIP-Werten der Zentralschweiz und der Gesamtschweiz. Aber mit einem Plus von 11,7 Prozent seit 2012 fiel das BIP-Wachstum pro Kopf im Kanton Luzern stärker aus als in der Gesamtschweiz (CH: +6,1%), und der Rückstand konnte minim verkleinert werden.

Beschäftigung wächst

Zwischen 2012 und 2021 nahm die Zahl der Beschäftigten im Kanton Luzern von rund 234'300 auf rund 260'800 Beschäftigte zu. Das entspricht einem Wachstum von 11 Prozent. Die Zahl der Vollzeitstellen (VZÄ) nahm im gleichen Zeitraum von 175'200 auf rund 193'700 zu, was ebenfalls einem Plus von 11 Prozent entspricht.

In fast allen Jahren des betrachteten Zeitraums war im Kanton Luzern ein Beschäftigungswachstum zu verzeichnen (vgl. Wirtschaftskennzahl Beschäftigung). Die Ausnahme bildet ein einmaliger Rückgang im Jahr 2020 – wahrscheinlich aufgrund der Auswirkungen der Covid-19-Pandemie. Im Jahr 2021 lag das Wachstum aber bereits wieder auf dem Niveau von 2019.

Wirtschaftlicher Strukturwandel setzt sich fort

Der Strukturwandel der Luzerner Wirtschaft zeichnet sich unter anderem durch eine Veränderung der sektoralen Beschäftigungszahlen sowie einer Entwicklung hin zu wissens- und technologieintensiven Produktionsweisen aus (vgl. Bildungsindikator Strukturwandel der Wirtschaft). Von 2005 bis 2021 ist die Beschäftigung im 3. Sektor um 29 Prozent und im 2. Sektor um 14 Prozent gewachsen, während der 1. Sektor um 20 Prozent geschrumpft ist. Trotz dieser Veränderung sind im Kanton Luzern der Landwirtschafts- und der Industriesektor stärker vertreten als in der Gesamtschweiz. Im Jahr 2021 arbeiteten 69 Prozent aller Beschäftigten im Kanton Luzern im Dienstleistungssektor, 27 Prozent im Industriesektor und 4 Prozent in der Landwirtschaft (gemessen in Vollzeitäquivalenten VZÄ).

Unter den beschäftigungsstarken Branchen am stärksten gewachsen sind im Kanton Luzern in diesem Zeitraum das Gesundheits- und Sozialwesen (seit 2005: +61% auf rund 24'400 VZÄ), die freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (+57% auf 16'600 VZÄ) sowie der Bereich Erziehung und Unterricht (+42% auf 11'500 VZÄ). Die meisten Vollzeitstellen zählte im 3. Sektor der Bereich Handel und Motorfahrzeuge (25'900 VZÄ). Im 2. Sektor sind es die Herstellung von Waren (31'800 VZÄ) und das Baugewerbe (18'600 VZÄ).

Im Jahr 2021 waren 45 Prozent der Luzerner Beschäftigten in der High-Tech-Branche oder in den wissensintensiven Branchen tätig. Dieser Anteil ist seit 2008 um 5 Prozentpunkte angestiegen, liegt aber deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt (vgl. Bildungsindikator wertschöpfungsintensive Branchen).

Erwerbsbeteiligung ist im Kanton Luzern höher als im Schweizer Durchschnitt

Im Jahr 2022 zählte der Kanton Luzern rund 230'500 Erwerbstätige; das sind 15- bis 64-jährige Luzernerinnen und Luzerner, die im Kanton oder ausserhalb von ihm einer Arbeit nachgehen. Im langfristigen Vergleich erhöhte sich vor allem die Erwerbsquote der Frauen. In den letzten Jahren hat sich ihre Erwerbsquote aber knapp unter 80 Prozent eingependelt (vgl. Wirtschaftskennzahl Erwerbsbeteiligung). Im Jahr 2022 betrug die Erwerbsquote der Luzerner Frauen 79 Prozent, diejenige der Luzerner Männer 88 Prozent. Die Erwerbsbeteiligung sowohl der Männer als auch der Frauen ist im Kanton Luzern etwas höher als im Schweizer Durchschnitt (CH: 75% resp. 84%).

Eine Familiengründung beeinflusst die Erwerbstätigkeit der Frauen wesentlich stärker als diejenige der Männer. Gemäss der Erhebung Familien und Generationen 2018 erwarten im Kanton Luzern auch deutlich mehr Frauen als Männer, dass sich die Geburt eines (weiteren) Kindes negativ auf ihre Berufsaussichten auswirken würde (74% vs. 41%).

Familienfreundlichkeit des Arbeitsplatzes ist wichtigster Faktor bei Erwerbstätigkeit der Mütter

Wann nehmen Frauen mit Kinder eine Erwerbstätigkeit auf oder erhöhen ihr Arbeitspensum? Im Rahmen einer Studie, die von ecoplan im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft erstellt wurde (ecoplan 2023), gaben nichterwerbstätige Frauen mit Kindern an, dass für sie die wichtigste Voraussetzung, um eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen, die Verfügbarkeit von Stellen mit familienfreundlichen Arbeitsbedingungen darstellt. Erwerbstätige Frauen mit Kindern würden ihr Pensum erhöhen, wenn es finanziell notwendig wäre und wenn die Kosten für familienergänzende Kinderbetreuung tiefer ausfallen würden. Als ausschlaggebende Faktoren für die Erwerbstätigkeit von Frauen mit Kindern wurden folgende Faktoren ausgemacht: Verfügbarkeit nichtinstitutioneller Kinderbetreuung durch Verwandte, persönliche Einstellung zur familienergänzende Kinderbetreuung, Wichtigkeit der finanzieller Unabhängigkeit sowie die Familienfreundlichkeit des Berufs.

Anteil der Luzerner Erwerbstätigen mit Tertiärabschluss nimmt zu

Die Luzerner Erwerbstätigen verfügen immer häufiger über einen Bildungsabschluss auf Tertiärstufe. So nahm der entsprechende Anteil im Lauf von zehn Jahren von 31 Prozent auf 43 Prozent im Jahr 2021 zu. Im gleichen Zeitraum ging der Anteil der Erwerbstätigen ohne nachobligatorischen Bildungsabschluss von 17 Prozent auf 12 Prozent und der Anteil der Erwerbstätigen mit höchstem Abschluss auf Sekundarstufe II von 53 Prozent auf 45 Prozent zurück.

In Bezug auf die Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zeigen sich hauptsächlich bei den Frauen grosse Unterschiede nach Ausbildungsabschluss: Frauen mit einer Ausbildung auf Tertiärstufe oder auf Sekundarstufe II nehmen deutlich häufiger am Erwerbsleben teil als Frauen, die keine nachobligatorische Ausbildung absolviert haben. Bei den Männern zeigen sich diese Unterschiede ebenfalls, sie sind aber kleiner (vgl. Kap. Bildungsnutzen).

Der Trend hin zu formal höheren Ausbildungen zeigt sich schweizweit (vgl. Aepli/Kuhn/Schweri 2021). So haben jüngere Altersgruppen vermehrt Bildungsabschlüsse von Hochschulen. Auch zugewanderte Personen verfügen häufig über höhere Ausbildungen. Zudem trägt die zunehmende Erwerbs- und Bildungsbeteiligung der Frauen zu dieser Entwicklung bei (ebd.: 16). Die Frage nach den Ursachen für diese Veränderungen ist allerdings nicht einfach zu beantworten. Die Gründe können sowohl mit der Nachfrage der Unternehmen nach Personen mit spezifischen Ausbildungen als auch mit Veränderungen bei der Bildungswahl der Beschäftigten zu tun haben (ebd.: 24).

Etwas mehr Personen mit Tertiärabschluss pendeln in andere Kantone zur Arbeit als umgekehrt

Der Luzerner Arbeitsmarkt ist kein geschlossenes System, sondern stark mit anderen Regionen vernetzt. Im Jahr 2021 pendelten rund 36'000 Luzernerinnen und Luzerner in einen anderen Kanton zur Arbeit. Umgekehrt arbeiteten rund 34'500 Personen aus anderen Kantonen im Kanton Luzern. Das heisst, dass rund 1'500 Personen mehr den Kanton Luzern zu Arbeitszwecken verliessen als Personen zu Arbeitszwecken in den Kanton Luzern kamen. Insgesamt hat sich der negative Pendlersaldo im Lauf der Zeit deutlich verkleinert. Vor rund zehn Jahren hatten jeweils noch rund 5'000 Personen mehr den Kanton Luzern zu Arbeitszwecken verlassen, als in den Kanton Luzern zur Arbeit kamen. Der starke Rückgang zeigt sich vor allem im Anschluss an das von der Covid-19-Pandemie geprägte Jahr 2020.

Bei den zupendelnden Personen zeigt sich eine ähnliche Verteilung der Bildungsabschlüsse wie bei den wegpendelnden. Insgesamt pendeln aber etwas mehr Gutgebildete aus dem Kanton Luzern in andere Kantone als umgekehrt. Bei dieser Konstellation wird gelegentlich auch von einem „Braindrain“ gesprochen.

Digitalisierung verändert den Alltag und die Arbeitswelt

Die Digitalisierung hat einen wesentlichen Einfluss auf den wirtschaftlichen Strukturwandel und das Wirtschaftswachstum (Bundesrat 2022: 6). Der Begriff der Digitalisierung bezeichnet eine gesellschaftliche Transformation durch Informationstechnologien (Aepli et al. 2017: 22). Der digitale Wandel hat inzwischen alle Lebensbereiche erfasst und führt zu tiefgreifenden Veränderungen im Alltag. Heute haben in der Schweiz sämtliche Haushalte einen Internetzugang und auch fast alle Haushalte verfügen über mindestens einen Computer (vgl. BFS: Internetnutzung in Haushalten). Im internationalen Vergleich weisen hierzulande überdurchschnittlich viele Personen erweiterte digitale Kompetenzen auf. Allerdings nimmt der Anteil der Bevölkerung, dessen digitale Kenntnisse über Grundkompetenzen hinausgehen, mit dem Alter deutlich ab. Am grössten ist der Anteil in der Altersgruppe der 25- bis 34-Jährigen (mehr als 50%) (ebd.).

Die Digitalisierung gilt als einer der grossen Trends auf dem schweizerischen Arbeitsmarkt (Aepli et al. 2017: 21). Fast ein Viertel der Erwerbstätigen in der Schweiz hat den Eindruck, dass sich durch die Digitalisierung ihre Arbeit verändert. Über alle Wirtschaftssektoren betrachtet verwendeten im Jahr 2019 schweizweit rund 87 Prozent der Erwerbstätigen einen Computer oder eine andere elektronische Ausstattung bei der Arbeit, 57 Prozent arbeiteten mit fachspezifischer Software und fast 40 Prozent erhielten Anweisungen über eine Fachanwendung (BFS: Internetnutzung in Haushalten). Im Zug der Digitalisierung nehmen die Anforderungen bezüglich IT-Kenntnissen auch ausserhalb des Informatikbereichs zu (Buchmann et al. 2020: 3). So wurden gemäss dem Stellenmarkt-Monitor Schweiz im Jahr 2019 in 44 Prozent der zu besetzenden Stellen IT-Kenntnisse verlangt. Die Betriebe bezahlten für IT-Kenntnisse, die neu und somit über die erwartbaren Kompetenzen hinausgingen, zusätzlichen Lohn (ebd.).

Der digitale Wandel verlangt neue Arbeitskompetenzen

Anders als in früheren Wellen des technologischen Wandels wird davon ausgegangen, dass das digitale Automatisierungspotenzial weniger manuelle Tätigkeiten als Dienstleistungstätigkeiten betreffen werde (SKBF 2023: 24). Da durch den digitalen Wandel aber auch neue Erwerbsmöglichkeiten entstehen, muss die Digitalisierung nicht zwangsläufig zu weniger Arbeitsplätzen führen (ebd.). In fast allen Branchen werden aber Veränderungen bei den Anforderungen und Kompetenzen erwartet (ebd.). Die Automatisierung von Arbeitsprozessen macht berufliche Qualifikationen für die Ausübung der mittlerweile automatisierten Tätigkeiten obsolet, wodurch einzelne Berufe an Bedeutung verlieren (Buchmann et al. 2020: 4). So sind in der Schweiz zum Beispiel die ausgeschriebenen Stellen für kaufmännische und administrative Berufe seit Mitte der 1990er-Jahre von rund 15 Prozent auf 8 Prozent zurückgegangen (ebd.).

Eine Studie zu den Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt zeigt, dass im längerfristigen Vergleich analytische und interaktive Tätigkeiten an Bedeutung gewannen (Aepli et al. 2017: 69). Manuelle Routine-Tätigkeiten nahmen ab, während manuelle Nicht-Routine-Tätigkeiten leicht zunahmen. Allgemein zeigte sich eine Zunahme der Beschäftigung in Berufen mit hohem Anforderungsniveau. Es ist auf dem Schweizer Arbeitsmarkt aber keine Polarisierung zu beobachten. Gemeint wäre damit, dass die Anteile der Hoch- und der Niedrigqualifizierten auf Kosten der Mittelqualifizierten zunehmen (ebd.). Gemäss Bundesamt für Statistik weisen in der Schweiz 1 Prozent der Erwerbstätigen in ihrer Tätigkeit einen hohen Routineanteil und wenig Autonomie auf, wodurch sie einem hohem Automatisierungsrisiko ausgesetzt sind (BFS 2024: 10). Dieser Anteil ist im europäischen Vergleich sehr tief.

Fachkräftemangel betrifft in der Zentralschweiz Berufe unterschiedlichen Qualifikationsniveaus

Wenn Unternehmen ihre offenen Stellen nicht mit qualifiziertem Personal besetzten können, wird von Fachkräftemangel gesprochen. Die Industrie- und Handelskammer der Zentralschweiz hat zusammen mit dem Amt für Wirtschaft und Arbeit des Kantons Zürich einen Fachkräftemangel-Index für den Raum Zentralschweiz publiziert (vgl. IHZ: Fachkräftemangelindex Zentralschweiz 2023). An erster Stelle der fehlenden Fachkräfte rangieren gemäss diesem Index die Ärztinnen und Ärzte. Unter den vorderen Rängen des Index fungierten im Jahr 2023 Berufe mit unterschiedlichem Qualifikationsniveau, beispielsweise waren Montageberufe sehr gesucht.

Literatur

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