Öffentliche Statistik – ein Blick zurück
Vom Staatsgeheimnis zum Informationsauftrag
Statistik ist heute eine eigenständige Staatsaufgabe. Die Einführung der Statistik als Informationsquelle und politisches Steuerungsinstrument war mit der Entwicklung der modernen Staatsverwaltung verbunden.
Wichtige Informations- und Entscheidungsgrundlage
Bereits im Ancien Régime hatten vereinzelt Erhebungen stattgefunden, die gesammelten Informationen hatten damals allerdings noch als Staatsgeheimnisse gegolten. Im 19. Jahrhundert spielte die Statistik dann beim Aufbau des Nationalstaats eine wichtige Rolle. Dies, weil sie mit ihren Ergebnissen den Eindruck eines gemeinsamen Raums zu vermitteln vermochte.
Auf eidgenössischer Ebene wurde die öffentliche Statistik im Jahr 1860 mit der Gründung des Eidgenössischen Statistischen Büros, das heutige Bundesamt für Statistik, institutionalisiert. In einer damaligen Botschaft des Bundesrats heisst es, die Aufgabe der Statistik „besteht in der Auffassung und Darstellung der scheinbar regellos an uns vorüberziehenden Erscheinungen, der Beobachtung ihres inneren Zusammenhanges und der Untersuchung des Gesamtzustandes der Staaten in der Gegenwart, den sie in leicht überschaulicher Weise beschreibt“. An diesem Grundauftrag hat sich bis heute kaum Wesentliches verändert.
Statistische Daten und Analysen dienen Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit als Informations- und Entscheidungsbasis sowie zur Wirkungskontrolle. Das statistische System der Schweiz stützt sich auf eidgenössische, kantonale und kommunale Stellen. Es wird vom Bundesamt für Statistik koordiniert und ist international vernetzt.
Öffentliche Statistik im Kanton Luzern
Im Kanton Luzern wurde 1939 ein statistisches Amt eingerichtet. Als Auskunftsstelle fand es von Beginn weg Anklang, bereits in den ersten Jahren seines Bestehens gingen zahlreiche Anfragen von Gemeinden, Behörden oder Verbänden ein. Der damalige Kantonsstatistiker hatte unter anderem die Aufgabe, die auf Anordnung des Bundes im Kanton durchgeführten Erhebungen zu kontrollieren, die Ergebnisse zu überprüfen und zusammenzustellen. Dazu gehörten die Volks- und Betriebszählungen, Erhebungen im Agrarsektor und vereinzelt im Bereich Gemeindesteuern. Ab den 1960er-Jahren kam auch die Schulstatistik dazu.
Zu Beginn wurde die Luzerner Statistik von einer Person betreut, in den 1970er-Jahren wurde erstmals ein zweiter Mitarbeiter eingestellt. Parallel zum Aufgabenwachstum nahm die Belegschaft während der folgenden Jahrzehnte weiter zu. Organisatorisch war die Statistikstelle innerhalb der Kantonsverwaltung in den ersten Jahren dem Justizdepartement zugeordnet, später dem Finanzdepartement. Das ist in administrativer Hinsicht bis heute so geblieben.
Die Statistikstelle zählte heute rund 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Auftrag des Kantons Luzern, anderer Zentralschweizer Kantone und des Bundes werden von ihr mehr als ein Dutzend Erhebungen betreut. Jährlich erscheinen statistische Auswertungen und Analysen, darunter gut 20 Medienmitteilungen. Daneben werden zahlreiche individuelle Dienstleistungen für öffentliche oder private Auftraggeber erbracht. Dazu gehören zum Beispiel Berechnungen im Zusammenhang des innerkantonalen Finanzausgleichs oder zur erwarteten Entwicklung der Schülerzahlen.
Ein Meilenstein bezüglich der Sicherung der Unabhängigkeit der öffentlichen Statistik im Kanton Luzern stellt das Statistikgesetz dar, das 2006 in Kraft trat. Es bestimmt die Aufgaben der kantonalen Statistik, regelt ihre Organisation und definiert ihren Informationsauftrag. Seit 2008 ist LUSTAT Statistik Luzern eine öffentlich-rechtliche Anstalt.
Bis ins Jahr 1943 amtete Dr. R. Schmitter als Kantonsstatistiker, danach – nach einer mehrjährigen Vakanz – ab dem Jahr 1946 Dr. Hans Schwytzer. Im Jahr 1973 wurde Dr. Hugo Bernet Vorsteher des Amts. Ab dem Jahr 1978 hatte Gianantonio Paravicini Bagliani die Leitung der Luzerner Statistik inne und lenkte deren Geschicke mehr als dreissig Jahre lang. Im Jahr 2011 übernahm Prof. Dr. Georges-Simon Ulrich die Leitung, der 2014 zum Direktor des Bundesamts für Statistik ernannt wurde. Auf ihn folgte Norbert Riesen, der LUSTAT bis 2025 leitete. Der heutige Direktor ist Tim Hagmann.
Fortsetzungsgeschichten über gesellschaftliche Phänomene
Die regelmässig erscheinenden Publikationen der öffentlichen Statistik erzählen anhand von Zahlen Fortsetzungsgeschichten über unseren Alltag – und dies zum Teil schon seit dem späten 19. Jahrhundert: Das erste Statistische Jahrbuch der Schweiz wurde im Jahr 1891 herausgegeben. Im Lauf der Jahrzehnte verbreiterte sich nicht nur die Palette der in den statistischen Publikationen behandelten Themen, sondern auch ihre Zahl nahm stark zu und die eingesetzten Medien diversifizierten sich.
Im Kanton Luzern erschien 1948 die erste Ausgabe der „Statistischen Mitteilungen“ mit Beiträgen des damaligen Kantonsstatistikers. Weitere Hefte folgten, allerdings noch im Abstand von mehreren Jahren. Ab den 1970er-Jahren wurde eine Taschenstatistik herausgegeben, andere Reihen wie die vierteljährlichen Konjunkturberichte wurden in den 1980er-Jahren lanciert. Seit 2001 ist die Luzerner Statistik mit einer eigenen Webseite im Internet präsent. Heute wird ausschliesslich elektronisch publiziert. Vor allem die Social-Media-Kanäle haben an Bedeutung gewonnen.
Die inhaltliche und formale Gestaltung der Publikationen spiegelt unter anderem die Professionalisierung der Kommunikation in den öffentlichen Verwaltungen, die vor allem in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts stattfand. So enthalten die statistischen Jahrbücher im Kanton Luzern beispielsweise Fotografien, die den Bezug der abstrakten statistischen Inhalte zum Alltagsleben verdeutlichen. Bei ihrer Einführung stellte das schweizweit eine Neuheit dar. Heute wird auch grosser Wert auf die grafische Aufbereitung gelegt, zum Beispiel mit der regelmässigen Publikation von Infografiken.
Grundlage der heutigen Publikationstätigkeit bildet der rechtlich festgelegte Informationsauftrag. Er sieht vor, dass die statistischen Informationen der Öffentlichkeit in jeweils geeigneter Form zur Verfügung gestellt werden sollen.
