Finanzielle Situation der Luzerner Haushalte – Methodische Grundlagen

FinSit - Statistik zur finanziellen Situation der Haushalte

Die Analysen der vorliegenden Webpublikation stützen auf die Statistik zur finanziellen Situation der Haushalte (FinSit) ab, die von LUSTAT als Teil der öffentlichen Statistik erstellt und jährlich aktualisiert wird. Der entsprechende Datensatz ermöglicht auf kommunaler und kantonaler Ebene umfassende Analysen zur finanziellen Lage der Luzerner Haushalte, sowohl im Querschnitt als auch in der zeitlichen Entwicklung (ab 2009).

Datenquellen

FinSit verknüpft anonymisierte Individualdaten aus verschiedenen Datenquellen. Namentlich sind dies das kantonale Einwohnerregister sowie das Gebäude- und Wohnungsregister, das kantonale Steuerregister, die individuellen Prämienverbilligungen zur obligatorischen Krankenversicherung gemäss WAS Ausgleichskasse Luzern, die wirtschaftliche Sozialhilfe, die Alimentenbevorschussung, die Mutterschaftsbeihilfe (bis 2016), die Strukturerhebung des Bundesamts für Statistik (seit 2019), die individuellen Konten (AHV/IV) des Bundesamts für Sozialversicherungen sowie die Ausbildungsbeiträge der kantonalen Fachstelle Stipendien.

Der Datensatz enthält dadurch Angaben zu Erwerbseinkommen, Einkünften aus Sozialversicherungen, Unterhaltsbeiträgen, Vermögenserträgen (Kapital- und Liegenschaftserträge) sowie zu allfälligen Zahlungen von bedarfsabhängigen Sozialleistungen (u.a. wirtschaftliche Sozialhilfe, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV und individuelle Prämienverbilligungen). Nicht erfasst sind im FinSit-Datensatz Sozialleistungen auf kommunaler Ebene sowie private Transferzahlungen wie zum Beispiel finanzielle Leistungen zwischen Verwandten oder Unterstützungsbeiträge von karitativen Organisationen.

Die Einkommen quellensteuerpflichtiger Personen werden über die Informationen aus den individuellen Konten der Ausgleichskassen berechnet. Dadurch kann die ausländische Bevölkerung fast umfassend in die Analyse einbezogen werden mit Ausnahme der Asylsuchenden, vorläufig Aufgenommenen und Pauschalbesteuerten.

Die Informationen zu den Ausgaben der Haushalte werden entweder aus den Steuerveranlagungsdaten gewonnen (u.a. Berufsauslagen, Krankheits- und Behinderungskosten, Kosten für familienergänzende Betreuung) oder statistisch geschätzt (Mietkosten, Krankenversicherungsprämien).

Analysepotenzial

Die FinSit-Daten beruhen auf ausserordentlich validen Einkommens- und Vermögensangaben mit hohem Detaillierungsgrad. Das ermöglicht es, bei der Berechnung der Armutsquote den Vermögensverzehr zu berücksichtigen. Der Vermögensverzehr, der unter anderem bei der Berechnung der Ergänzungsleistungen zur AHV/IV berücksichtigt wird, beeinflusst die Beitragshöhe dieser bedarfsabhängigen Sozialleistung.

Die Kombination unterschiedlicher Datenquellen und deren aufwändige Verknüpfung haben zur Folge, dass die FinSit-Daten der einzelnen Jahre erst mit einiger zeitlicher Verzögerung zur Verfügung stehen. Zum Zeitpunkt des Verfassens vorliegender Publikation stammen die jüngsten verfügbaren Daten aus dem Jahr 2020.

Revision und Erweiterung der FinSit-Statistik 2019

Um die finanzielle Situation der Haushalte möglichst realitätsgetreu abzubilden, wird der Datensatz der FinSit-Statistik periodisch auf sein Verbesserungs- und/oder Ergänzungspotenzial hin überprüft. Im Rahmen des Datenjahrs 2019 wurde die Datenaufbereitung einer Revision unterzogen.

Qualitätssteigerung der FinSit-Daten durch Revision

Indem bestehende Datenquellen, namentlich jene der individuellen Prämienverbilligung (IPV) zur obligatorischen Krankenversicherung, revidiert wurden, konnte die Datenqualität der FinSit deutlich verbessert werden. Es wird seither eine höhere Abdeckung der IPV-Zahlungen an die bezugsberechtigten Haushalte erreicht. Auch die Angaben zu den Mietkosten wurden qualitativ verbessert. Dank der Strukturerhebung konnten weitere zentrale Analysevariablen, zum Beispiel der Bildungsstand, ergänzt werden. Diese Erweiterungen machen armutsgefährdende Faktoren untersuchbar, die bisher nicht in die Analysen einbezogen werden konnten.

Individuelle Prämienverbilligung

Mit dem Datenjahr 2019 wurde in der FinSit-Statistik ein Wechsel der Datenquelle der individuellen Prämienverbilligung zur obligatorischen Krankenversicherung (IPV) von der Anspruchsstatistik auf die Zahlungsstatistik vorgenommen.

Bei der Anspruchsstatistik waren lediglich Personen im Datensatz enthalten gewesen, die für das betroffene Jahr (Anspruchsjahr) eine Zahlung erhalten hatten. Weiter waren nur Personen erfasst worden, bei welchen die Entrichtung der IPV im betroffenen Jahr stattgefunden hatte (Zahlungsjahr).

Die neue Datenquelle hingegen enthält alle IPV-Beiträge, welche im Zahlungsjahr entrichtet wurden inklusive solche für Ansprüche aus den Vorjahren. Vor allem im Datenjahr 2019 ermöglichte dies im Datensatz eine deutlich bessere Abdeckung der IPV, da in diesem Jahr aufgrund eines Bundesgerichtsentscheids im Kanton Luzern eine besonders hohe Anzahl an IPV-Zahlungen für die Vorjahre verbucht worden war.

Mietkosten

Für Mieter/innen werden, wenn es zu einer neuen Haushaltsbildung kommt, die Mietkosten in der FinSit-Statistik basierend auf den Daten der Strukturerhebung des Bundes per Schätzmodell berechnet. Dieses Schätzmodell wurde 2019 revidiert und erstmals für das Datenjahr 2020 neu angewandt. Bisher wurde die Miete mittels Anzahl und Alter der Personen im Haushalt sowie der Region geschätzt. Neu wird die Miete mittels Anzahl Zimmer geschätzt. Die regionale Einteilung wurde ebenfalls überprüft und angepasst. Wichtig sind hier unter anderem die Zentrumsnähe und die Distanz zu einem See.

Durch das neue Modell konnte die Schätzqualität deutlich verbessert werden. Zudem sind neu durch die Verknüpfung mit den Angaben aus der Strukturerhebung jährlich Mietangaben zu knapp 10'000 Haushalten verfügbar. Dies führt zu einer zusätzlichen Verbesserung der Qualität der Angaben zu den Wohnkosten. Da diese tatsächlichen Mieten in die Folgejahre übernommen werden können, nimmt die Qualität der Mietangaben mit den Jahren zu.

Strukturerhebung

Durch die Anknüpfung der FinSit-Statistik an die Daten der Strukturerhebung des Bundesamts für Statistik stehen neu zentrale Analysevariablen zur Verfügung:

  • der Arbeitsmarktstatus
  • die berufliche Stellung der Referenzperson des Haushalts
  • die höchste abgeschlossene Ausbildung im Haushalt

Insbesondere der "Bildungsstand" stellt eine wichtige Variable zur Untersuchung der Unterschiede der finanziellen Situation der Haushalte dar. Die Ergänzung um diese Variable führt zu einem besseren Verständnis des Armutsmonitorings im Kanton Luzern.

Künftige Anpassungen der FinSit-Datenbasis

Um die finanzielle Situation der Luzerner Haushalte möglichst realitätsgetreu abzubilden, wird der Datensatz der FinSit-Statistik im Rahmen der Aufbereitung des Datenjahrs 2021 folgendermassen angepasst werden.

Bereinigung der Vermögenserträge um Eigenmietwert

Das Primäreinkommen setzt sich neben dem Erwerbseinkommen aus Wertschrifts- und Liegenschaftserträgen zusammen. Als Datenquelle zu diesen Erträgen dient die kantonale Steuerstatistik. Die Liegenschaftserträge ergeben sich aus der Position 190 (Einkommen aus Liegenschaften) der Steuererklärung. Diese Position enthält unter anderem den zu versteuernden Eigenmietwert, also der Mietwert der eigenen, selbstgenutzten Wohnung oder Liegenschaft. Dieser beträgt im Kanton Luzern 70 Prozent der mittleren Marktmiete. Aus diesem Grund ist der Eigenmietwert, der keine tatsächliche Einkunft darstellt, bei den Vermögenserträgen enthalten, was zu einer Überschätzung der Vermögenserträge der betroffenen Haushalte führt. In der zukünftigen FinSit-Datenaufbereitung (ab Datenjahr 2021) und in künftigen FinSit-Analysen wird der Eigenmietwert nicht mehr zu den Einkünften gezählt werden, damit ein realitätsnäheres Bild der Einkommensverhältnisse der Luzerner Privathaushalte, insbesondere derjenigen der Wohneigentümer/innen, entsteht.

 

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