Finanzielle Ungleichheit

Was ist mit Ungleichverteilung gemeint?

Wie verteilen sich die erwirtschafteten Einkommen und die erworbenen Vermögen auf das Gesamt der Luzerner Privathaushalte? Die einkommens- und vermögensbedingte (Un-)Gleichheit zwischen den Haushalten ist von grosser Relevanz für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Ist die Einkommens- und Vermögensungleichheit gross, kann der soziale Zusammenhalt beeinträchtigt werden. Prekäre finanzielle Situationen können auch dazu führen, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung erschwert wird und sich somit der Gesundheitszustand der betroffenen Bevölkerung verschlechtert. Dies kann sich unter anderem auf die durchschnittliche Lebenserwartung niederschlagen (Wilkinson & Pickett 2009).

Die negativen Effekte der Ungleichheit beschränken sich nicht nur auf die unteren Einkommens- und Vermögensschichten, sondern können auch die oberen betreffen (Wilkinson & Pickett 2009). Auch das Wirtschaftswachstum kann durch eine grosse Ungleichheit negativ beeinflusst werden (Dabla-Norris et al. 2015). Die Einkommens- und Vermögensunterschiede stehen seit einigen Jahren auch in der Schweiz vermehrt im Fokus (Föllmi & Martínez 2017).

Einkommensverteilung

Wie verteilt sich das Gesamteinkommen im Kanton Luzern auf die Haushalte? Verteilt es sich heute gleichmässiger oder – im Gegenteil – ungleicher als noch in früheren Jahren?

Die Einkommensgleich- oder -ungleichheit wird im Folgenden anhand des frei verfügbaren Äquivalenzeinkommens untersucht. Das frei verfügbare Einkommen ist jener Teil des Einkommens, der den Haushalten nach Tätigung der Ausgaben zu Konsum- und Sparzwecken übrigbleibt. Dieser Einkommensbegriff bietet sich an, weil mit ihm sämtliche Einnahmen (inkl. bedarfsabhängige Sozialleistungen) eines Haushalts unter Abzug der obligatorischen und gebunden Ausgaben (Steuern, Sozialversicherungsbeiträge, Krankenkassenprämien, Krankheitskosten und Wohnkosten) berücksichtigt werden. Die Anwendung der Äquivalenzskala macht unterschiedlich grosse Haushalte miteinander vergleichbar.

Frei verfügbares Einkommen

Haushaltseinkommen um die obligatorischen und die gebundenen Ausgaben bereinigt. Mit dem frei verfügbaren Einkommen tätigen die Haushalte zum einen die Konsumausgaben, um ihre Grundbedürfnisse zu decken (z.B. an Essen und Kleidung). Zum anderen wird das frei verfügbare Einkommen für zusätzliche Konsumwünsche oder für Sparzwecke, also zur Vermögensbildung, eingesetzt.

Einkommensverteilung der Privathaushalte

2020 gab es im Kanton Luzern rund 180'500 Privathaushalte (2010: 159'300). Diese erzielten ein mittleres frei verfügbares Äquivalenzeinkommen von rund 31'400 Franken (2010: 30'200 Fr.).

Einkommensungleichheit der Luzerner Privathaushalte hat seit 2010 zugenommen

2020 betrug der Gini-Koeffizient der Luzerner Privathaushalte 0,431. 2010 hatte er noch bei tieferen 0,405 gelegen. Seit 2010 hat die Ungleichverteilung der Einkommen im Kanton Luzern also zugenommen. Das heisst, die Schere zwischen jenen Haushalten, die viel Einkommen generieren, und solchen mit wenig Einkommen hat sich weiter geöffnet.

Gini-Koeffizient als Mass der (Un)Gleichheit

Das Mass, mit dem die Gleichheit respektive die Ungleichheit der Einkommen bemessen wird, ist der Gini-Koeffizient; er bildet die Verteilung der Einkommen ab. Der Gini-Koeffizient kann Werte zwischen 0 (totale Gleichverteilung) und 1 (totale Ungleichverteilung) annehmen. Je mehr sich also der Gini-Koeffizient vom Wert 0 entfernt respektive dem Wert 1 annähert, desto grösser ist die Ungleichheit.

Einkommen in Rentnerhaushalten ungleicher verteilt als in Erwerbshaushalten

Ein grundsätzlicher Unterschied besteht bei der Ungleichverteilung der Einkommen zwischen Erwerbshaushalten und Rentnerhaushalten. Dies vor allem deshalb, weil bei den Haushalten mit Referenzperson im Pensionsalter im Allgemeinen das Erwerbseinkommen wegfällt und durch Renten ersetzt wird. Zudem entfalten Vermögenserträge im höheren Alter eine prominentere Wirkung als bei jüngeren Personen. Da die Vermögen insgesamt ungleicher verteilt sind als die Einkommen, führt dies auch bei den Einkommen zu einer ungleicheren Verteilung.

2020 lag der Gini-Koeffizient bei den Haushalten mit Referenzperson im Erwerbsalter bei 0,407; bei jenen im Rentenalter betrug er höhere 0,482. Die Einkommen der Erwerbshaushalte verteilten sich also gleichmässiger auf die einzelnen Haushalte, als dies bei den Rentnerhaushalten der Fall war. Bei den Rentnerhaushalten war der Graben zwischen jenen mit viel und jenen mit wenig Einkommen grösser als bei den Erwerbshaushalten.

Ungleichheit im Lauf der Zeit sowohl bei Erwerbs- als auch bei Rentnerhaushalten gewachsen

Nicht nur bei den Luzerner Privathaushalten allgemein, sondern auch bei den einzelnen Haushaltstypen hat sich im Lauf der Zeit der Schereneffekt verstärkt. Bei den Erwerbshaushalten hatte der Gini-Koeffizient 2010 noch bei 0,384 gelegen (2020: 0,407); bei den Rentnerhaushalten hatte er 0,458 betragen (2020: 0,482). Bei beiden Haushaltstypen ist der Koeffizient bis 2020 angestiegen. Das heisst, dass sich innerhalb beider Haushaltsgruppen die Einkommensungleichheit verschärft hat. Der Graben zwischen jenen Haushalten, die viel Einkommen generieren, und jenen, die wenig Einkommen erzielen, ist also im Lauf der Zeit bei beiden Haushaltstypen gewachsen. Die Zunahme vollzog sich dabei praktisch im Gleichschritt (Erwerbshaushalte: +0,023; Rentnerhaushalte: +0,024).

Einkommensverteilung der Erwerbshaushalte

2020 gab es im Kanton Luzern rund 132'300 Erwerbshaushalte (2010: 121'200). Diese erzielten ein mittleres frei verfügbares Äquivalenzeinkommen von rund 34'300 Franken (2010: 32'400 Fr.).

Viertel der Haushalte konzentriert Hälfte des Einkommens auf sich

2020 fiel auf die einkommensschwächere Hälfte der Luzerner Erwerbshaushalte knapp ein Viertel (23,3%) des Gesamteinkommens aller Erwerbshaushalte; die restlichen drei Viertel fielen auf die einkommensstarken Haushalte. Das einkommensschwächste Viertel der Erwerbshaushalte konzentrierte weniger als einen Zehntel des Gesamteinkommens auf sich (6,8%).

Lorenzkurve als Mass der Verteilung

Mit dem Gini-Koeffizient lässt sich grundsätzlich feststellen, ob in der Einkommensverteilung eine Ungleichheit besteht, wie gross diese ist und wie sie sich im Lauf der Zeit entwickelt. Keine Aussage kann aber darüber gemacht werden, wie sich die Einkommen auf die einzelnen Einkommensschichten verteilen (Piketty 2014: 349–351).

Die Darstellung der Einkommensverteilung mittels Lorenzkurve lässt diese Analyse zu. Damit kann je nach Einkommenshöhe untersucht werden, wie sich die Einkommensverteilung beispielsweise bei den "untersten 10 Prozent", also jenen Haushalten mit den niedrigsten Einkommen, respektive den "obersten 10 Prozent", also jenen Haushalten mit den höchsten Einkommen, entwickelt.

Anders als bei den mittleren bis tiefen Einkommen sieht es bei den oberen Einkommensschichten der Erwerbshaushalte aus: 2020 fiel auf das oberste, also das einkommensstärkste Viertel der Erwerbshaushalte mehr als die Hälfte (51,8%) des Gesamteinkommens aller Erwerbshaushalte. Und das oberste Einkommensperzentil konzentrierte fast einen Zehntel (9,5%) des Gesamteinkommens allein auf sich. Das heisst, dass das einkommensstärkste 1 Prozent der Erwerbshaushalte allein mehr Einkommen zur freien Verfügung hatte (9,5%) als die einkommensschwächsten 25 Prozent zusammen (6,8%).

Einkommensschere hat sich bei Erwerbshaushalten weiter geöffnet

2010 hatte die einkommensschwache Hälfte der Erwerbshaushalte noch 24,5 Prozent des Gesamteinkommens auf sich vereint. Bis 2020 nahm dieser Anteil um 1,2 Prozentpunkte auf 23,3 Prozent ab. Beim einkommensschwächsten Viertel der Erwerbshaushalte hatte der Anteil 2010 bei 7,4 Prozent gelegen; bis 2020 nahm er um 0,6 Prozentpunkte auf 6,8 Prozent ab.

Anders beim einkommensstärksten Viertel der Erwerbshaushalte, bei dem der Anteil nicht ab- sondern zunahm: 2010 hatte das oberste Viertel 50,1 Prozent des Gesamteinkommens aller Erwerbshaushalte auf sich konzentriert. Bis 2020 nahm dieser Anteil um 1,7 Prozentpunkte auf 51,8 Prozent zu. Der Anteil des 99. Perzentils, also des einkommensstärksten Prozents der Erwerbshaushalte, nahm um 2,0 Prozentpunkte auf 9,5 Prozent zu (2010: 7,5%).

Seit 2010 hat sich also die Schere zwischen den einkommensstarken und den einkommensschwachen Erwerbshaushalten in beide Richtungen weiter geöffnet.

Einkommensverteilung der Rentnerhaushalte

2020 gab es im Kanton Luzern rund 48'300 Rentnerhaushalte (2010: 38'100). Diese erzielten ein mittleres frei verfügbares Äquivalenzeinkommen von rund 23'400 Franken (2010: 23'000 Fr.).

Hälfte der Rentnerhaushalte konzentrieren vier Fünftel des Einkommens auf sich

Bei den Haushalten mit Referenzperson im Rentenalter ist die Einkommensschere insgesamt weiter geöffnet als bei den Erwerbshaushalten. 2020 erzielte die einkommensschwache Hälfte der Rentnerhaushalte knapp einen Fünftel (19,2%) des Einkommens aller Rentnerhaushalte. Die restlichen vier Fünftel fielen auf die Haushalte mit mittleren bis hohen Einkommen. Das einkommensschwächste Viertel der Rentnerhaushalte wies einen Anteil von 5,9 Prozent auf. Hingegen erzielten die Haushalte des obersten Einkommensviertels 58,5 Prozent des Gesamteinkommens aller Rentnerhaushalte. Und das einkommensstärkste Prozent (Perzentil) der Rentnerhaushalte vereinte 14,2 Prozent des gesamten Einkommens aller Rentnerhaushalte allein auf sich.

Einkommensschere hat sich auch bei Rentnerhaushalten weiter geöffnet

Im Lauf der letzten Jahre hat sich der Schereneffekt im Kanton Luzern nicht nur bei den Privathaushalten allgemein und den Erwerbshaushalten verschärft, sondern auch bei den Haushalten mit Referenzperson im Rentenalter. 2010 hatte die einkommensschwache Hälfte der Rentnerhaushalte noch 20,7 Prozent des Gesamteinkommens aller Rentnerhaushalte erzielt; bis 2020 sank dieser Anteil um 1,5 Prozentpunkte auf 19,2 Prozent. Beim einkommensschwächsten Viertel hatte der Anteil 2010 bei 6,9 Prozent gelegen und nahm bis 2020 um 1,0 Prozentpunkt auf 5,9 Prozent ab.

Anders sieht es bei den Rentnerhaushalten mit mittleren bis hohen Einkommen aus, bei denen sich im Lauf der Jahre keine Abnahme, sondern eine deutliche Zunahme vollzogen hat: Beim einkommensstärksten Viertel der Rentnerhaushalte hatte 2010 der Anteil am Gesamteinkommen aller Rentnerhaushalte noch 56,9 Prozent betragen; bis 2020 stieg er um 1,6 Prozentpunkte auf 58,5 Prozent. Der Anteil des 99. Perzentils, also dem einkommensstärksten Prozent der Rentnerhaushalte, nahm um 0,9 Prozentpunkte auf 14,2 Prozent zu.

Vermögensverteilung

Die im Folgenden ausgewiesenen Vermögenswerte gehen auf Steuerdaten zurück und beziehen sich primär auf Liegenschaften und Wertschriften. Dabei handelt es sich konkret um die Angaben zum Reinvermögen, also der Differenz zwischen dem Gesamtvermögen (bewegliches Privatvermögen, Liegenschaften usw.) und den Schulden. Die Reinvermögen werden zusätzlich auf einen Einpersonenhaushalt standardisiert, sodass die Werte von Haushalten verschiedener Grösse miteinander vergleichbar sind (Äquivalenzskala).

Vermögensverteilung der Privathaushalte

2020 gab es im Kanton Luzern rund 180'500 Privathaushalte (2010: 159'300). Diese verfügten über ein mittleres Äquivalenzreinvermögen von 69'900 Franken (2010: 47'000 Fr.).

Vermögensschere bei Erwerbshaushalten weiter geöffnet als bei Rentnerhaushalten

2020 betrug der Gini-Koeffizient der Vermögen aller Privathaushalte im Kanton Luzern 0,836. Der Schereneffekt ist bei den Vermögen also insgesamt grösser als bei den Einkommen, wo der Gini-Koeffizient 2020 bei 0,431 lag.

Während die Ungleichverteilung der Einkommen bei den Rentnerhaushalten grösser ist als bei den Erwerbshaushalten, ist es bei den Vermögen umgekehrt. 2020 betrug der Gini-Koeffizient bei den Haushalten mit Referenzperson im Erwerbsalter 0,834, während er bei den Haushalten mit Referenzperson im Pensionsalter bei tieferen 0,787 lag. Dies ist wahrscheinlich unter anderem auf Auszahlungen von Vermögen aus Pensionskassen (2. Säule) und 3. Säule zurückzuführen. Mit dem Eintritt ins Rentenalter gelangen über diese Vermögensausschüttungen auch Haushalte mit zuvor eher geringerem verfügbaren Vermögen zu zusätzlichen aktiven Vermögenswerten, was der Ungleichverteilung entgegenwirkt.

Vermögensungleichheit der Privathaushalte hat zugenommen

2010 hatte der Gini-Koeffizient aller Luzerner Privathaushalte noch bei 0,812 gelegen; bis 2020 stieg er auf 0,836 an. Die Vermögensungleichheit hat im Kanton Luzern also im Lauf der letzten Jahre zugenommen. Bei den Erwerbshaushalten lag er 2010 bei 0,811 (2020: 0,834) und bei den Rentnerhaushalten bei 0,744 (2020: 0,787). Die Vermögensverteilung ist also nicht nur bei den Privathaushalten allgemein ungleicher geworden, sondern auch bei beiden Haushaltsgruppen, wobei der Effekt bei den Rentnerhaushalten deutlicher ausfällt als bei den Erwerbshaushalten.

Vermögensverteilung der Erwerbshaushalte

2020 gab es im Kanton Luzern rund 132'300 Erwerbshaushalte (2010: 121'200). Diese verfügten über ein mittleres frei verfügbares Äquivalenzreinvermögen von 42'500 Franken (2010: 28'500 Fr.).

Vermögen der Erwerbshaushalte konzentrieren sich stark bei wenigen Vermögenden

2020 besass die vermögensschwache Hälfte der Erwerbshaushalte lediglich 1,7 Prozent des Gesamtvermögens aller Erwerbshaushalte. Gut ein Viertel der Haushalte (26%) besassen gar keine Vermögenswerte. Das vermögensstärkste Viertel besass hingegen 90,0 Prozent des Gesamtvermögens. Die drei einkommensschwächeren Viertel der Erwerbshaushalte besassen zusammen also lediglich einen Zehntel des Gesamtvermögens. Das oberste Vermögensperzentil, also das vermögensstärkste Prozent der Erwerbshaushalte, vereinte hingegen einen hohen Anteil von 42,7 Prozent des Gesamtvermögens aller Erwerbshaushalte auf sich. Die Vermögenswerte der Luzerner Erwerbshaushalte sind damit stark gegen oben konzentriert.

Vermögen des vermögensstärksten Prozents der Erwerbshaushalte ist stark gewachsen

Der Anteil der Erwerbshaushalte ohne Vermögen hat im Lauf der Zeit leicht abgenommen. 2010 hatten 29 Prozent der Erwerbshaushalte kein Vermögen ausgewiesen; 2020 waren es noch 26 Prozent.

Im gleichen Zeitraum hat sich aber der Schereneffekt zwischen denjenigen Haushalten mit viel und denjenigen mit wenig Vermögen deutlich verschärft. 2010 hatte das vermögensstärkste Prozent der Erwerbshaushalte noch 34,8 Prozent des Gesamtvermögens aller Erwerbshaushalte auf sich vereint; 2020 verfügte dieses oberste Perzentil über 42,7 Prozent des Gesamtvermögens. Der Anteil dieser kleinen Gruppe an Haushalten am Gesamtvermögen hat also seit 2010 um knapp 8 Prozentpunkte zugenommen und ist damit stark gestiegen.

Die weitaus grössere Gruppe an Haushalten, nämlich die ganze vermögensschwächere Hälfte aller Erwerbshaushalte, generierte 2020 hingegen mit 1,7 Prozent einen nur ganz knapp grösseren Vermögensanteil, als sie schon 2010 generiert hatte (1,6%). Der Anteil des obersten Vermögensviertels lag bei 90,0 Prozent (2010: 88,6%). Im Vergleich zum obersten Perzentil hat dieser Anteil ebenfalls nur leicht zugenommen. Der weitaus am stärksten gewachsene Anteil am Gesamtvermögen konzentriert das oberste Prozent der Erwerbshaushalte auf sich.

Vermögensverteilung der Rentnerhaushalte

2020 gab es im Kanton Luzern rund 48'300 Rentnerhaushalte (2010: 38'100). Diese verfügten im Mittel über ein Äquivalenzreinvermögen von 233'200 Franken (2010: 175'300 Fr.).

1 Prozent der Rentnerhaushalte mit über 40 Prozent des Gesamtvermögens

Bei den Haushalten mit Referenzperson im Rentenalter besass 2020 die vermögensschwächere Hälfte der Haushalte 4,8 Prozent des Gesamtvermögens aller Rentnerhaushalte. Das Ausmass der Ungleichverteilung ist damit insgesamt bei den Rentnerhaushalten geringer als bei den Erwerbshaushalten (2020: vermögensschwache Hälfte mit 1,7% des Vermögens). Auch der Anteil der Rentnerhaushalte ohne Vermögenswerte lag 2020 mit 12 Prozent deutlich tiefer als bei den Erwerbshaushalten (26%).

Wenn auch auf niedrigerem Niveau als bei den Erwerbshaushalten, ist die Ungleichverteilung auch bei den Rentnerhaushalten Realität: 2020 besass das oberste Viertel der Vermögensverteilung, also jene Haushalte mit den höchsten Vermögen, 84,2 Prozent des Gesamtvermögens aller Rentnerhaushalte (Erwerbshaushalte 90,0%); die unteren drei Viertel der Rentnerhaushalte besassen zusammen lediglich 15,8 Prozent. Das oberste Vermögensperzentil, also das vermögensstärkste Prozent der Rentnerhaushalte, wies einen Anteil von 42,3 Prozent am Gesamtvermögen auf und lag damit fast gleich hoch wie das 99. Perzentil der Erwerbshaushalte (42,7%). Das vermögensstärkste Perzentil sowohl der Rentnerhaushalte als auch der Erwerbshaushalte konzentriert also mehr als zwei Fünftel des Vermögens auf sich.

Vermögenskonzentration im oberen Vermögensbereich nimmt auch bei Rentnerhaushalten zu

Der Anteil der Haushalte ohne Vermögen ist bei den Rentnerhaushalten zwischen 2010 und 2020 bei 12,0 Prozent verblieben. Auf der anderen Seite der Vermögensverteilung ist es jedoch zu stärkeren Veränderungen gekommen.

2010 waren auf das vermögensstärkste Prozent der Rentnerhaushalte noch 31,4 Prozent des Gesamtvermögens aller Rentnerhaushalte gefallen. Dieser Anteil hatte damit 2010 noch deutlich tiefer gelegen als 2020 (42,3%). Wie bei den Erwerbshaushalten hat auch bei den Rentnerhaushalten also das 99. Perzentil der Haushalte seinen Anteil am Gesamtvermögen markant gesteigert.

Der Vermögensanteil der vermögensschwächeren Hälfte der Rentnerhaushalte, also jene Haushalte mit mittleren bis tiefen Vermögen, hatte 2010 bei 5,7 Prozent gelegen. Bis 2020 nahm er leicht auf 4,8 Prozent ab. Beim Vermögensanteil des obersten Viertels, also den vermögensstärksten Haushalten, hatten 2010 die vermögensstärksten 25 Prozent der Rentnerhaushalte 80,8 Prozent des Gesamtvermögens aller Rentnerhaushalte auf sich konzentriert; 2020 waren es 84,2 Prozent. Die Ungleichverteilung hat in den beiden erwähnten Bereichen zugenommen.

Wie auch bei den Erwerbshaushalten hat sich das Vermögen bei den Rentnerhaushalten im Verlauf der Jahre von 2010 bis 2020 stärker gegen oben konzentriert.

Einkommens- und Vermögensungleichheit

Verfügen die Haushalte mit hohem Einkommen auch über ein hohes Vermögen? Oder gibt es auch Haushalte, die ein tiefes Einkommen generieren, aber ihre Existenz mit dem Vermögensverzehr sichern?

Zusammenhang zwischen Höhe von Einkommen und Vermögen erkennbar

2020 befanden sich 9,5 Prozent der Erwerbshaushalte in der untersten Einkommens- und gleichzeitig auch in der untersten Vermögensgruppe (1. Quintil). Diese Haushalte erzielen ein vergleichsweise tiefes Einkommen und haben auch nur geringe Vermögenswerte, die ihnen als zusätzliche finanzielle Ressourcen dienen könnten.

Erwerbshaushalte nach Einkommens- und Vermögensquintilen

Indem die Haushalte mit Referenzperson im Erwerbsalter in fünf gleich grosse Gruppen (Quintile) eingeteilt werden, jeweils sortiert nach der Höhe des Einkommens bzw. des Vermögens, lässt sich eruieren, wie viele Haushalte derselben Einkommens- bzw. Vermögensgruppe angehören.

Einkommen:

  • Das unterste Fünftel der Einkommensverteilung (1. Einkommensquintil) weist 2020 ein frei verfügbares Äquivalenzeinkommen zwischen 0 und 18'037 Franken aus.
  • Das zweite Einkommensfünftel weist einen Betrag zwischen 18'038 bis 29'079 Franken aus.
  • Das dritte Einkommensfünftel weist einen Betrag zwischen 29'080 bis 40'035 Franken aus.
  • Das vierte Einkommensfünftel weist einen Betrag zwischen 40'036 Franken bis 56'056 Franken aus.
  • Das fünfte Einkommensfünftel weist einen Betrag von 56'057 Franken oder mehr aus.

Vermögen:

  • Das unterste Fünftel der Vermögensverteilung (1. Vermögensquintil) verfügt 2020 über ein Äquivalenzreinvermögen zwischen –290'354 und 44'889 Franken.
  • Das zweite Vermögensfünftel  verfügt 2020 über 44'890 bis 155'295 Franken.
  • Das dritte Vermögensfünftel verfügt 2020 über 155'296 bis 330'714 Franken.
  • Das vierte Vermögensfünftel verfügt 2020 über 330'715 bis 697'158 Franken.
  • Das fünfte Vermögensfünftel verfügt 2020 über 697'159 Franken oder mehr.

In der obersten Einkommens- und gleichzeitig in der obersten Vermögensgruppe (5. Quintil) befand sich 2020 ebenfalls knapp ein Zehntel der Erwerbshaushalte (9,3%). Diese Haushalte erzielen ein vergleichsweise hohes Einkommen und verfügen zusätzlich über hohe Vermögenswerte.

Wenige Haushalte mit tiefem Einkommen aber hohem Vermögen

Lediglich 1,4 Prozent der Erwerbshaushalte verfügten 2020 über ein tiefes Einkommen (1. Einkommensquintil) bei gleichzeitig hohen Vermögenswerten (5. Vermögensquintil). Auch der umgekehrte Fall ist selten: Nur 2,2 Prozent der Erwerbshaushalte erzielten 2020 ein hohes Einkommen (5. Einkommensquintil) bei gleichzeitig geringen Vermögensreserven (1. Vermögensquintil). Bei letzterer Gruppe handelt es sich jedoch wahrscheinlich um eher jüngere Haushalte, die im Laufe des Erwerbslebens noch Vermögenswerte aufbauen können.

Einkommens- und Vermögensungleichheit im Spiegel der Forschung

Die Ergebnisse der FinSit-Analyse zeigen, dass bei den Erwerbshaushalten ein tiefes Einkommen häufig auch mit einem tiefen Vermögen einhergeht und umgekehrt. Diesen Befund bestätigen auch Erkenntnisse aus der Forschung (siehe u.a. Föllmi & Martínez 2017).

Einkommensmobilität in der Schweiz nicht gefährdet

Mit der Erkenntnis, dass tiefe Einkommen häufig mit tiefen Vermögen einhergehen, stellt sich die Frage nach den Möglichkeiten der finanziellen Mobilität. Eine Studie für die Schweiz (Chuard & Schmiedgen-Grassi 2020) zeigt, dass die Einkommensmobilität in der Schweiz nicht gefährdet ist.

Einkommensmobilität

Die Einkommensmobilität wird in der Studie von Chuard & Schmiedgen-Grassi aus dem Jahr 2020 als Zusammenhang zwischen der Position der Eltern und der Kinder in der Einkommensverteilung definiert. Einer der Hauptgründe ist das duale Bildungssystem mit der beruflichen Grundbildung, welches die Möglichkeit bietet, unter anderem durch auf der beruflichen Lehre aufbauende Weiterbildungen, auch ohne tertiären Bildungsabschluss ein hohes Einkommen zu erzielen. Weitere fördernde Faktoren für eine hohe Einkommensmobilität sind gemäss der Studie höhere öffentliche Ausgaben in den Bereichen Bildung und Gesundheit sowie tiefere Steuersätze.

Vermögenskonzentration in der Schweiz im internationalen Vergleich hoch

Im Kanton Luzern besteht bei den Vermögen eine deutlich stärkere Konzentration im oberen Verteilungsbereich. Im internationalen Vergleich weist die Schweiz eine der höchsten Vermögenskonzentrationen auf. Die steuerfreien Vermögen in der Pensionskasse (2. Säule) und der freiwilligen Vorsorge (3. Säule) sind in diesem internationalen Vergleich nicht enthalten, was die Vergleichbarkeit etwas relativiert. Die hohe Vermögenskonzentration ist unter anderem, im Vergleich mit beispielsweise England und Frankreich, auf das langfristige Ausbleiben von Kriegssituationen, welches eine wirtschaftspolitische Stabilität mit sich bringt, zurückzuführen. Auch die Attraktivität der Schweiz für Topverdiener und multinationale Unternehmen trägt zur Vermögenskonzentration bei (Föllmi & Martínez 2017: 24–25).

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