Lehrkräftebedarf
Aufgrund der steigenden Zahl von Lernenden ist in den kommenden Jahren mit einem wachsenden Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern zu rechnen, dies in fast allen Regionen der Schweiz. Gemäss den Szenarien des Bundesamts für Statistik werden im Jahr 2031 auf den obligatorischen Schulstufen schweizweit rund 6'000 Lehrpersonen mehr gebraucht als im Jahr 2022. An den Luzerner Schulen dürften bis im Jahr 2031 rund 350 zusätzliche Lehrerinnen und Lehrer unterrichten, davon rund 200 an den Primarschulen und rund 150 auf Sekundarstufe I.
Das Bundesamt für Statistik geht davon aus, dass die Zahl der jährlich ausgestellten Lehrdiplome im gleichen Zeitraum deutlich zunehmen wird, sodass sich die Differenz zwischen Angebot und Nachfrage verringern wird. Die pädagogischen Hochschulen, welche die künftigen Lehrpersonen ausbilden, wurden anfangs der 2000er-Jahre geschaffen. Seither hat die Zahl ihrer Studentinnen und Studenten in der ganzen Schweiz stark zugenommen. An den pädagogischen Hochschulen der Zentralschweiz studierten im Studienjahr 2022/23 rund doppelt so viele Personen wie noch im Studienjahr 2010/11.
Neben der Entwicklung der Zahl der Lernenden und der Anzahl der neu ausgebildeten Lehrpersonen beeinflussen verschiedene weitere Faktoren die Nachfrage und das Angebot auf dem Arbeitsmarkt. Im Folgenden wird eine Übersicht wichtiger Einflussfaktoren präsentiert.
Lernendenzahlen und Betreuungsverhältnisse
Die Nachfrage nach Lehrpersonal ist grundsätzlich von der demografischen Entwicklung abhängig. Wächst die Zahl der Lernenden an den obligatorischen Schulen, werden mehr Klassen geführt und dazu mehr Lehrerinnen und Lehrer benötigt. Die zusätzlich benötigten Stellenprozente hängen jedoch auch vom gewählten Schulsystem und den politisch definierten Betreuungsverhältnissen ab.
Im Kanton Luzern hat die Einschulung geburtenstärkerer Jahrgänge dazu geführt, dass die Zahl der Kinder in der Kindergartenstufe seit dem Schuljahr 2009/10 angestiegen ist. Auf Primarstufe wächst die Zahl der Lernenden seit dem Schuljahr 2014/15, auf der Sekundarstufe I seit dem Schuljahr 2018/19.
Die Lernenden an den öffentlichen Kindergärten, Primar- und Sekundarschulen (ohne Sonderschulen) wurden im Schuljahr 2023/24 von 5'250 Lehrpersonen unterrichtet, die sich rund 3'160 Vollzeitstellen (Vollzeitäquivalente) teilten. In den letzten zehn Jahren nahm die Zahl der Lehrpersonen an Kindergärten und Primarschulen um rund 900 Personen bzw. rund 460 Vollzeitstellen zu (+31% bzw. +26%). An den Sekundarschulen nahm die Zahl der Lehrpersonen und Vollzeitstellen bis im Schuljahr 2019/20 ab, seit dem Schuljahr 2020/21 ist wieder eine Zunahme zu verzeichnen. An den Sekundarschulen erreicht die Zahl der Vollzeitstellen aktuell ein ähnliches Niveau wie im Schuljahr 2014/15 (−2%), während die Zahl der Lehrpersonen leicht höher liegt als damals (+7%).
Leicht rückläufige Zahl der Lernenden pro Vollzeitäquivalent
Das Betreuungsverhältnis zwischen Lernenden und Lehrpersonen an den öffentlichen Regelschulen im Kanton Luzern liegt aktuell etwas tiefer als vor zehn Jahren. Das bedeutet, dass eine Lehrperson im Durchschnitt weniger Lernende betreut als damals. Im Schuljahr 2023/24 lag die Betreuungsquote bei 13,8 Lernenden pro Vollzeitäquivalent, im Schuljahr 2014/15 waren es noch 14,2 Lernende pro Vollzeitäquivalent gewesen (vgl. Bildungsindikator Betreuungsverhältnis obligatorische Schulstufen). Sonderpädagogisches und therapeutisches Personal, Förderlehrpersonen sowie Assistenzen werden in dieser Kennzahl nicht berücksichtigt.
Je jünger die Lernenden sind, desto höher ist die Betreuungsquote: Auf Kindergartenstufe betreute eine Lehrperson im Durchschnitt 17,7 Kinder, in den Sekundarschulen im Schnitt 11,2 Lernende. Auf diesen beiden Stufen ist das Betreuungsverhältnis aktuell ähnlich wie vor zehn Jahren. Auf der Primarstufe lag das Betreuungsverhältnis im Schuljahr 2023/24 bei 14,3 Lernenden pro Vollzeitäquivalent, während es 2014/15 noch 15,3 Lernende pro Vollzeitäquivalent betragen hatte. Auch auf der Basisstufe betreute eine Lehrperson im Schuljahr 2023/24 im Schnitt weniger Kinder als noch vor zehn Jahren (13,7 vs. 15,1 Lernende).
Altersstruktur, Arbeitspensen, Arbeitszufriedenheit der Lehrerschaft
Lehrpersonen müssen nicht nur aufgrund von Stellenwechseln oder wegen steigender Lernendenzahlen rekrutiert werden. Jährlich sind auch Lehrpersonen zu ersetzen, die altershalber aus dem Schuldienst austreten. Für die Nachfrage nach Lehrpersonal ist daher auch die Altersstruktur der Lehrerschaft zentral. Im Folgenden wird die Entwicklung der Altersstruktur des Lehrpersonals an den öffentlichen obligatorischen Regelschulen des Kantons Luzern seit dem Schuljahr 2014/15 betrachtet. Nicht Teil der Analyse sind Lehrpersonen an Privatschulen und Sonderschulen sowie die Lehrerinnen und Lehrer der obligatorischen Schuljahre der Gymnasien.
Durchschnittsalter der Lehrerschaft sinkt leicht
Wird die Altersstruktur der Lehrpersonen im Kanton Luzern betrachtet, lässt sich eine leichte Verjüngung feststellen. Das Durchschnittsalter der Lehrpersonen ist in den vergangenen zehn Jahren von 42 auf 41 Jahre gesunken. Der Anteil der Lehrpersonen ab 55 Jahren ist im gleichen Zeitraum von 19 auf 17 Prozent gesunken. Im Vergleich zum Schuljahr 2014/15 kommt es aktuell häufiger vor, dass Lehrpersonen über das Pensionsalter hinaus unterrichten.
Trotzdem dürfte der Bedarf an neuen Lehrpersonen infolge Pensionierungen in den nächsten Jahren weiterhin hoch bleiben: jede sechste Lehrperson wird in den nächsten zehn Jahren das Pensionsalter erreichen, in den nächsten 15 Jahren jede vierte.
Durchschnittliches Unterrichtspensum leicht rückläufig
Auch der durchschnittliche Beschäftigungsgrad an den obligatorischen Regelschulen ist ein entscheidender Faktor für den Bedarf an Lehrpersonal. Je mehr Lehrerinnen und Lehrer Teilzeit unterrichten oder ihr Pensum reduzieren, desto mehr Lehrpersonen müssen angestellt werden. In diesem Zusammenhang sind auch altersspezifische Erwerbsverläufe relevant: Je höher die Unterrichtspensen der älteren Lehrpersonen sind, desto mehr Stellenprozente müssen nach ihrer Pensionierung ersetzt werden.
Viele Lehrerinnen und Lehrer der obligatorischen Regelschulen unterrichten in einem Teilzeitpensum von weniger als 90 Prozent. Im Schuljahr 2023/24 war dies im Kanton Luzern bei 76 Prozent der Frauen und 58 Prozent der Männer der Fall. Das an den obligatorischen Regelschulen unterrichtete Pensum einer Lehrperson muss jedoch nicht zwingend deren Erwerbspensum im Total entsprechen. Lehrerinnen und Lehrer können zusätzlich zu ihrem Unterrichtspensum auf obligatorischer Stufe weitere Anstellungen innehaben, zum Beispiel als Förderlehrperson, in der Schulleitung oder auf einer nachobligatorischen Schulstufe.
Das durchschnittliche Unterrichtspensum an obligatorischen Regelschulen des Kantons Luzern ging in den vergangenen zehn Jahren leicht zurück (−4 Prozentpunkte) und beträgt aktuell 60 Prozent (Schuljahr 2023/24). Dieser Rückgang ist in allen Altersklassen zu beobachten, jedoch ausgeprägter bei älteren Lehrerinnen und Lehrern. Bei den Lehrpersonen im Alter ab 55 Jahren sank das durchschnittliche Unterrichtspensum um 7 Prozentpunkte auf 57 Prozent, bei den unter-35-jährigen Lehrpersonen um 4 Prozentpunkte auf 71 Prozent.
Unter-35-jährige Lehrpersonen leisten fast die Hälfte der Lektionen
Der Anteil der Lektionen, der von unter-35-jährigen Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet wird, ist in den letzten zehn Jahren um 5 Prozentpunkte auf rund 45 Prozent gestiegen. Im gleichen Zeitraum sank der Anteil der von über-54-jährigen Lehrpersonen geleisteten Lektionen um 3 Prozentpunkte auf 16 Prozent.
Auch der Anteil der Lektionen, der von Frauen unterrichtet wird, hat in den letzten Jahren zugenommen: von 73 Prozent im Schuljahr 2014/15 auf 78 Prozent im Schuljahr 2023/24. Knapp 4 von 10 Lektionen wurden in diesem Schuljahr von Frauen unter 35 Jahren unterrichtet (38%). Die Entwicklung ist einerseits auf die Zunahme des Frauenanteils, anderseits auf einen Rückgang des durchschnittlichen Pensums der Männer zurückzuführen. Dieses sank seit dem Schuljahr 2014/15 um rund 8 Prozentpunkte auf 71 Stellenprozente. Das durchschnittliche Unterrichtspensum der Frauen nahm im betrachteten Zeitpunkt nur leicht ab (2014: 60%; 2023: 58%).
Lehrpersonen finden Lohnperspektiven und berufliche Entwicklungsmöglichkeiten unattraktiv
Im Auftrag der Dienststelle Volksschulbildung des Kantons Luzern wurde im Herbst 2022 eine Befragung durchgeführt, die verschiedene Faktoren untersucht, die den Lehrpersonenmangel und die Fluktuation der Lehrpersonen im Volksschulbereich beeinflussen (vgl. econcept 2023). Zur Befragung eingeladen worden waren alle Klassen-, Fach- und Förderlehrpersonen sowie die Schulleitungen der obligatorischen Regelschulen. Zusätzlich wurden Lehrpersonen befragt, die im Vorjahr der Erhebung auf obligatorischer Stufe unterrichtet hatten und ihre Lehrtätigkeit nicht weitergeführt hatten. Von den rund 6'500 eingeladenen Personen nahmen rund 3'000 an der Befragung teil.
Die befragten Luzerner Lehrpersonen schätzen an ihrem Beruf vor allem die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie die Autonomie in der Arbeitsgestaltung. In Bezug auf die Anstellungsbedingungen wurden die Jobsicherheit und die Flexibilität bezüglich des Arbeitspensums als besonders attraktiv beurteilt. Als besonders unattraktiv nehmen die befragten Lehrerinnen und Lehrer die beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten, die Lohnperspektive sowie die gesellschaftliche Wertschätzung des Lehrberufs wahr.
Ausbildung und Berufseinstieg
Das Angebot an Lehrpersonal basiert in erster Linie auf der Zahl der ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer. Die Aufgabe der Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen wird durch die pädagogischen Hochschulen (PH) wahrgenommen. Die Kantone sorgen als Träger dafür, dass genügend Lehrpersonen ausgebildet werden und die Ausbildung auf die Anforderungen des kantonalen Bildungswesens zugeschnitten ist. In der Region Zentralschweiz bilden die pädagogischen Hochschulen Luzern, Schwyz und Zug Lehrerinnen und Lehrer für die obligatorischen Schulstufen aus.
Knapp die Hälfte der Luzerner PH-Studierenden verfügt über gymnasiale Maturität
Jährlich entscheiden sich rund 300 Luzernerinnen und Luzerner für ein Studium an einer pädagogischen Hochschule (Bachelor und Master). Insgesamt waren im Ausbildungsjahr 2022/23 rund 1'250 Luzerner Studierende für einen Bachelor- oder Master-Studiengang an einer pädagogischen Hochschule eingeschrieben. 4 von 5 Personen studierten an der PH Luzern, 1 von 5 Personen war an einer ausserkantonalen Hochschule eingeschrieben.
Im Studienjahr 2022/23 verfügten 47 Prozent der Luzerner Studierenden an den pädagogischen Hochschulen über eine gymnasiale Maturität, 17 Prozent über eine Fachmaturität und 12 Prozent über eine Berufsmaturität. Ein kleiner Teil der Studierenden hat ihren Zulassungsausweis für die pädagogische Hochschule im Ausland erworben (2%). Die übrigen Studierenden (22%) verfügten über einen anderen Zulassungsausweis (z.B. altrechtliches Lehrdiplom) oder sind als Quereinsteigerinnen und -einsteiger in die Ausbildung gestartet. Der Quereinstieg in den Lehrberuf ist unter anderem über spezielle Vorkurse mit anschliessender Aufnahmeprüfung möglich.
Studienerfolgsquote der Luzerner PH-Studierenden innert 5 Jahren gesunken
Die Bachelor-Studiengänge der pädagogischen Hochschulen haben eine Regeldauer von drei Jahren. Die Studienerfolgsquote misst den Anteil der Studierenden, die nach ihrem Eintritt in ein Bachelor-Studium innert fünf Jahren einen Abschluss erzielt haben. Die jährliche Erfolgsquote der Luzerner Maturandinnen und Maturanden, die ihre Ausbildung an einer pädagogischen Hochschule zwischen 2008 und 2017 begonnen hatten, lag durchschnittlich bei 85 Prozent. Werden allein die Abschlüsse einer pädagogischen Hochschule (ohne Umorientierer/-innen an einen anderen Hochschultyp) betrachtet, liegt der 10-Jahres-Durchschnitt bei 83 Prozent. Berücksichtigt sind alle Maturandinnen und Maturanden mit einer gymnasialen Maturität, Fachmaturität oder Berufsmaturität.
Die Erfolgsquote der Luzerner Studierenden, die 2017 mit einem Studium an einer pädagogischen Hochschule gestartet hatten, lag bei 77 Prozent und damit unter dem langjährigen Schnitt. Einen Bachelor einer pädagogischen Hochschule hatten 74 Prozent von ihnen erlangt. Mit ein Grund für die tieferen Abschlussquoten dürfte sein, dass Studentinnen und Studenten vermehrt schon während des Studiums als Lehrperson arbeiten und deshalb länger studieren.
PH Luzern stellte 2022 rund 300 Lehrbefähigungen aus
Seit ihrer Gründung ist die Pädagogische Hochschule Luzern (PH Luzern) stark gewachsen. In den vergangenen neun Jahren traten an der PH Luzern pro Jahr durchschnittlich rund 400 Personen (aus dem Kanton Luzern und aus anderen Kantonen) die Ausbildung zur Lehrperson einer obligatorischen Schulstufe an (Eintritt in Bachelor-Studium). Rund 300 Personen starteten jährlich ihre Ausbildung für die Kindergarten- und Primarstufe, rund 100 Personen für die Sekundarstufe I.
Die ausgestellten Lehrbefähigungen der PH Luzern erreichten in den Jahren 2017 bis 2019 einen Höchststand von jährlich rund 370 Lehrdiplomen für die obligatorischen Schulstufen. Seither ging die Zahl der diplomierten Lehrpersonen für die Kindergarten- und Primarstufe leicht zurück. Ein Grund des Rückgangs dürfte die hohe Nachfrage nach Lehrpersonal auf dem Arbeitsmarkt sein: Studierende können schon während des Studiums an einer Schule unterrichten, wodurch sich die Studienzeit verlängern kann. Im Jahr 2022 stellte die PH Luzern rund 200 Lehrbefähigungen für die Kindergarten- und Primarstufe und rund 100 für die Sekundarstufe I aus. Die übrigen Zentralschweizer Hochschulen Zug und Schwyz vergaben zusammen weitere rund 200 Diplome für die Kindergarten- und Primarstufe.
Rascher Eintritt in den Arbeitsmarkt nach einem Abschluss an der PH Luzern
Für die Einschätzung des Angebots an Lehrpersonal ist unter anderem von Interesse, ob und wie rasch neu diplomierte Lehrpersonen in den Arbeitsmarkt eintreten. Im Rahmen der Absolventenbefragung des Bundesamts für Statistik werden Fragen zu verschiedenen Aspekten des Übergangs vom Studium ins Erwerbsleben gestellt. Befragt werden Abgängerinnen und Abgänger einer Schweizer Hochschule jeweils ein Jahr und fünf Jahre nach ihrem Abschluss.
Lehrerinnen und Lehrer mit einem Diplom der PH Luzern treten in der Regel schnell ins Berufsleben ein. Drei Viertel der Absolventinnen und Absolventen mit Abschlussjahr 2020 hatten bereits einen Monat nach Studienabschluss eine qualifizierte Stelle gefunden; damit ist gemeint, dass für die entsprechende Stelle ein Hochschulabschluss vorausgesetzt wird. Es fallen also auch Anstellungen darunter, die keine Unterrichtstätigkeit beinhalten, wobei solche Anstellungen bei Studienabgängerinnen und -abgängern einer pädagogischen Hochschule einen kleinen Anteil ausmachen dürften. Ein Jahr nach ihrem Studienabschluss hatten knapp 9 von 10 Absolventinnen und Absolventen der PH Luzern eine geeignete Arbeitsstelle gefunden.
Ein Drittel der Befragten behielt die Stelle, auf der sie bereits vor dem Studienabschluss gearbeitet hatten. Bei Personen, die sich für eine Lehrtätigkeit auf der Sekundarstufe I ausbilden liessen, war dies deutlich häufiger der Fall als bei Personen, die eine Ausbildung für die Kindergarten- und Primarstufe absolviert hatten (42% vs. 19%).
6 von 10 Absolventen/-innen der PH Luzern steigen mit Vollzeitpensum ein
Im Rahmen der Absolventenbefragung des Bundesamts für Statistik wurden die Hochschulabgängerinnen und -abgänger nach dem Pensum ihrer Hauptbeschäftigung gefragt. Ein Jahr nach ihrer Ausbildung arbeiteten 61 Prozent der Lehrpersonen mit Abschluss der PH Luzern Vollzeit, das heisst in einem Pensum von mindestens 90 Prozent. Weitere 34 Prozent arbeiten in einem Pensum zwischen 50 und 89 Prozent, 5 Prozent in einem Pensum unter 50 Prozent.
Die Personen, die nicht Vollzeit arbeiten, wurden zu den Gründen für das Teilzeitpensum befragt. Für rund 6 von 10 Personen, die nicht Vollzeit arbeiteten, war der Wunsch nach Zeit für persönliche Interessen einer der Gründe für Teilzeitarbeit. Für 2 von 10 Personen waren (unter anderem) familiäre Gründe wie zum Beispiel die Betreuung von Kindern relevant, ebenfalls für rund 2 von 10 Personen waren gesundheitliche Probleme oder das Vermeiden von zu hoher Arbeitsbelastung ausschlaggebend. Knapp 2 von 10 Personen gaben an, dass sie keine Möglichkeit beziehungsweise kein Angebot für eine Vollzeitbeschäftigung hätten. Als unterbeschäftigt bezeichnete sich allerdings insgesamt ein deutlich kleinerer Anteil (4%).
3 von 10 Absolventen/-innen der Zentralschweizer Hochschulen nehmen Lehrtätigkeit in einer anderen Region auf
Bei der Frage nach dem zur Verfügung stehenden Lehrpersonal spielt auch die regionale Mobilität eine entscheidende Rolle: Wandern die in der Zentralschweiz ausgebildeten Lehrpersonen in andere Regionen ab, stehen sie den Zentralschweizer Schulen nicht zur Verfügung.
Das Bundesamt für Statistik hat aufgrund der Längsschnittdaten im Bildungsbereich (LABB) die Aufnahme der Lehrtätigkeit nach der Ausbildung an einer pädagogischen Hochschule nach Region analysiert. In der Region Zentralschweiz (LU, NW, OW, SZ, UR, ZG) kann ein Lehrdiplom für die obligatorischen Schulstufen an den Pädagogischen Hochschulen Luzern, Schwyz und Zug erlangt werden. Von den Studierenden des Abschlussjahrgangs 2018 dieser drei Hochschulen traten im Lauf der folgenden zwei Jahre 93 Prozent in das Unterrichtswesen der obligatorischen Regelschule ein. Dieser Anteil liegt etwas über dem Schweizer Durchschnitt (90%).
Die Zentralschweizer Kantone rekrutieren einen kleineren Anteil der Absolventinnen und Absolventen der eigenen Hochschulen als Lehrpersonen, als das in anderen Regionen der Fall ist. 65 Prozent der Absolventinnen und Absolventen einer Zentralschweizer PH begannen ihre Arbeit als Lehrperson auch in der Region Zentralschweiz. 15 Prozent nahmen ihre Lehrtätigkeit in der Ostschweiz auf (AR, AI, GL, GR, SG, SH, TG, ZH), 12 Prozent in der Nordwestschweiz (AG, BL, BS, BE, SO). Rund 40 Prozent der Lehrpersonen, welche ihre Lehrtätigkeit ausserhalb der Zentralschweiz aufnahmen, hatten ihre Maturität in der entsprechenden Region erlangt: Sie gingen also nach dem Studium in der Zentralschweiz in ihre Herkunftsregion zurück.
Von den Absolventinnen und Absolventen der pädagogischen Hochschulen in der Nordwestschweiz und in der Ostschweiz nahm ein deutlich grösserer Anteil eine Lehrtätigkeit in der entsprechenden Region auf (84%). Nur wenige Personen mit PH-Abschluss einer anderen Region übernahmen eine Lehrtätigkeit in der Zentralschweiz.
Löhne der PH-Luzern-Absolventen/-innen leicht unter Schweizer Mittel
Im Rahmen der Absolventenbefragung des BFS werden auch die Löhne erhoben. Aufgerechnet auf 100 Prozent verdienten die Lehrpersonen mit Abschlussjahrgang 2020 der PH Luzern ein Jahr nach Abschluss 87'500 Franken (Median). Dieses Erwerbseinkommen lag etwas unter dem gesamtschweizerischen Mittel von 90'900 Franken. Die Lehrpersonen auf Kindergarten- und Primarstufe gaben mit 82'500 Franken ein deutlich tieferes Einkommen an als die Lehrpersonen, die auf höheren Schulstufen tätig sind. Lehrpersonen auf Sekundarstufe I verdienten ein Jahr nach ihrem Abschluss an der PH Luzern im Median 95'700 Franken.
Die drei Deutschschweizer Regionalkonferenzen im Bildungsbereich Nordwestschweizerische Erziehungsdirektorenkonferenz (NW EDK), Erziehungsdirektoren-Konferenz der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein (EDK-Ost) sowie die Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz (BKZ) stellen jährlich Eckdaten der kantonalen Lohnsysteme für Lehrpersonen zur Verfügung (Lohndatenerhebung der Lehrkräfte, Auswertung 2023). Erhoben werden unter anderem der vorgesehene Jahreslohn für ein Vollpensum im 1. Jahr der Lehrtätigkeit (ohne anrechenbare Berufserfahrung) sowie der maximal erreichbare Jahreslohn gemäss Lohnband. Für den Kanton Luzern liegt der im Lohnband vorgesehene Einstiegslohn für eine Primarlehrperson im Jahr 2023 bei rund 82'000 Franken, der maximal erreichbare Jahreslohn bei rund 122'000 Franken.
Berufsverläufe von Lehrer/innen
Für die Einschätzung des Bedarfs an Lehrpersonal sind Informationen zu den Berufsverläufen von Lehrerinnen und Lehrern von grosser Bedeutung. Die Längsschnittdaten im Bildungsbereich (LABB) des Bundesamts für Statistik ermöglichen Analysen zu dieser Thematik. Anhand von ihnen kann betrachtet werden, welcher Anteil der in einem bestimmten Jahr im Kanton Luzern beschäftigten Lehrpersonen fünf Jahre später weiterhin an einer obligatorischen Schule (innerhalb oder ausserhalb des Kantons Luzern) arbeitet. Zudem ist ersichtlich, welcher Anteil der Lehrpersonen an eine private Schule wechselte oder eine andere Funktion innerhalb einer Schule übernahm.
Verbleibsquote der Luzerner Lehrpersonen beträgt fast 80 Prozent
Im Kanton Luzern arbeiteten im Schuljahr 2016/17 rund 5'000 Lehrpersonen an einer öffentlichen Schule auf obligatorischer Schulstufe (ohne Sonderschulen). Von diesen Personen waren fünf Jahre später – also im Schuljahr 2021/22 – rund 4'000 weiterhin an einer Schule tätig; die sogenannte Verbleibsquote betrug 79 Prozent. Rund 1'000 Lehrpersonen waren im Schuljahr 2021/22 nicht mehr an einer Schule angestellt. Rund die Hälfte von ihnen hatte das AHV-Alter erreicht oder war vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausgetreten.
Von den Lehrpersonen, die im Schuljahr 2016/17 unter 55 Jahre alt gewesen waren, arbeiteten 88 Prozent fünf Jahre später weiterhin an einer Schule (innerhalb oder ausserhalb des Kantons Luzern). 79 Prozent unterrichteten zu diesem Zeitpunkt immer noch an einer öffentlichen obligatorischen Regelschule. Die übrigen Lehrpersonen waren nun an einer Privatschule, auf einer anderen Bildungsstufe oder in einer anderen Funktion tätig. Die Verbleibsquote der unter-55-jährigen Lehrpersonen lag damit etwa im Schnitt der Regionen Zentral- und Ostschweiz, war jedoch etwas tiefer als in der Nordwestschweiz, im Tessin oder in der französischen Schweiz (90%, 91% bzw. 93%).
Bei jüngeren Lehrpersonen kommen Wechsel und Austritte häufiger vor
Werden die Berufsverläufe der unter-55-jährigen Lehrpersonen betrachtet, zeigen sich Unterschiede nach Geschlecht, Alter und Pensum. Männer blieben etwas häufiger an einer Schule angestellt als Frauen (90% vs. 88%). Zudem unterscheiden sich die Erwerbsverläufe der Geschlechter hinsichtlich der ausgeübten Funktionen: Während Frauen häufiger auf eine andere Stufe oder in die Sonderpädagogik wechselten, kam bei Männern ein Wechsel in die Schulleitung häufiger vor. Lehrpersonen unter 45 Jahren wechselten ihre Funktion an der Schule häufiger und traten auch häufiger aus dem Schuldienst aus als die 45-jährigen und älteren Lehrpersonen.
Arbeiteten Lehrpersonen in einem Pensum von weniger als 10 Wochenlektionen, war die Wahrscheinlichkeit etwas kleiner als bei Lehrpersonen mit mehr Wochenlektionen, dass sie fünf Jahre später weiterhin an einer Schule tätig waren. Lehrpersonen mit tieferem Pensum wechselten auch häufiger die Funktion oder die Stufe als Lehrpersonen mit höherem Pensum. Das dürfte unter anderem damit zusammenhängen, dass einige Personen mit kleinem Pensum auf obligatorischer Schulstufe bereits vorher zusätzlich auf einer anderen Stufe oder in der Sonderpädagogik tätig gewesen waren.
6 von 10 Lehrpersonen treten nur kurzfristig aus dem Lehrberuf aus
Lehrerinnen und Lehrer, die aus dem Schuldienst austreten, geben ihre Unterrichtstätigkeit nicht immer endgültig auf. Ein Teil von ihnen unterbricht diese lediglich und nimmt sie nach kürzerer oder längerer Zeit wieder auf. Da weiterhin häufig die Frauen ihre Erwerbstätigkeit aufgrund einer Elternschaft unterbrechen, sind wegen des hohen Frauenanteils an der Lehrerschaft in diesem Zusammenhang auch die Unterbrüche und Wiedereintritte wegen Mutterschaft besonders relevant. Dagegen sind bei älteren Lehrperson Austritte häufiger endgültig: Sie erreichen das Pensionsalter oder treten vorzeitig aus dem Erwerbsleben aus.
In den Jahren 2015, 2016 und 2017 führten insgesamt rund 700 Luzerner Lehrpersonen unter 55 Jahren ihre Tätigkeit an einer Schule nicht weiter. Mehr als 400 von ihnen kehrten im Lauf von vier Jahren nach ihrem Austritt wieder an eine Schule innerhalb oder ausserhalb des Kantons Luzern zurück (62%). 54 Prozent nahmen erneut eine Lehrtätigkeit an der obligatorischen Regelschule auf, 8 Prozent auf einer anderen Stufe oder in einer anderen Funktion.
Bei den Frauen, die im Jahr ihrer Abwesenheit ein Kind bekommen hatten, lag die Wiedereinstiegsquote bei 77 Prozent. Nach dem Wiedereinstieg übten sie häufiger als die übrigen Lehrpersonen, die ihre Lehrtätigkeit unterbrochen hatten, eine neue Funktion aus oder unterrichteten auf einer anderen Stufe (14%). Die Wiedereinstiegsquote nach einem Unterbruch aufgrund von Mutterschaft war für die betrachteten drei Jahre im Kanton Luzern deutlich höher als im schweizerischen Durchschnitt (68%), lag jedoch unterhalb der Quote der französischen Schweiz (80%).
Frauen arbeiten häufiger als Männer auch im Pensionsalter als Lehrpersonen weiter
Von den Lehrpersonen, die 2016 an einer obligatorischen Regelschule im Kanton Luzern beschäftigt und zu diesem Zeitpunkt mindestens 55 Jahre alt waren, waren fünf Jahre später 4 von 10 weiterhin an einer Schule tätig. 1 von 10 Personen war nicht mehr an einer Schule beschäftigt, befand sich aber noch nicht im Ruhestand. 5 von 10 befanden sich im Ruhestand und bezogen entweder eine AHV-Rente (4 von 10) oder waren vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausgetreten (1 von 10). Vorzeitige Erwerbsaustritte kamen anteilmässig am häufigsten bei Lehrpersonen vor, die 2016 in einem Teilzeitpensum zwischen 10 und 20 Lektionen beschäftigt gewesen waren.
Von den Frauen, die am Ende des Analysezeitraums 63 Jahre alt waren und damit kurz vor dem gesetzlichen Rentenalter standen, arbeiteten 44 Prozent weiterhin an einer Schule. Von den Männern, die am Ende des Analysezeitraums 64 Jahre alt waren, waren es 48 Prozent. Frauen arbeiteten häufiger über das Pensionsalter hinaus als Lehrperson als Männer: 28 Prozent der 64-jährigen und älteren Frauen blieben an einer Schule angestellt, bei den 65-jährigen und älteren Männern waren es 4 Prozent.
Lehrpersonen mit einem kleineren Pensum wechselten ihre Funktion an der Schule häufiger als Personen mit höherem Pensum. Gleichzeitig blieben sie häufiger an einer Schule angestellt als Personen mit mehr Wochenlektionen. Wechsel in einen anderen Erwerbsbereich kamen bei Lehrpersonen ab 55 Jahren ebenso häufig vor wie bei unter-55-jährigen Lehrpersonen (8% vs. 7%).
Szenarien zum zukünftigen Bedarf an Lehrpersonen in der Zentralschweiz
Das Bundesamt für Statistik (BFS) hat im Jahr 2022 Szenarien zum Bedarf und zum Angebot an neuen Lehrpersonen für die Jahre 2022–2031 publiziert. In den Szenarien berücksichtigt das BFS sowohl die demografische Entwicklung als auch die beruflichen Verläufe und die regionale Mobilität von Lehrpersonen (vgl. BFS-Szenarien zum Lehrkräftebedarf).
Deutliche Zunahme des Bedarfs an Lehrpersonen bis 2031 erwartet
Für die Region Zentralschweiz geht das Bundesamt für Statistik (BFS) davon aus, dass im Schuljahr 2031/32 rund 660 Lehrpersonen mehr benötigt werden als im Schuljahr 2022/23. Die Anzahl benötigter Lehrpersonen wird gemäss diesen Schätzungen zwischen 2022 und 2031 um rund 400 Personen auf der Primarstufe und um rund 260 Personen auf der Sekundarstufe I zunehmen. Auch die Anzahl der an den Zentralschweizer Hochschulen ausgestellten Lehrdiplome wird gemäss den Szenarien zunehmen: Das BFS geht davon aus, dass im Jahr 2031 rund 590 Diplome für die Primarstufe und rund 120 für die Sekundarstufe I ausgestellt werden.
In Zukunft ist für die Region Zentralschweiz mit einer leichten Verschiebung in der Altersstruktur der Lehrerschaft zu rechnen. Der Anteil der älteren Lehrpersonen dürfte tendenziell abnehmen, vor allem auf der Sekundarstufe. Daher ist mit einem Rückgang der altersbedingten Austritte von Lehrpersonen zu rechnen. Insgesamt dürfte der Anteil der Lehrpersonen, die jährlich aus dem Schuldienst austreten und ersetzt werden müssen, in der Zentralschweiz abnehmen.
Nachfrageüberschuss auf der Primarstufe dürfte in den nächsten Jahren bestehen bleiben
Werden der Bedarf an neuen Lehrpersonen und die Abschlüsse der pädagogischen Hochschulen der Regionen einander gegenübergestellt, kann die künftige Situation zwischen Nachfrage und Angebot eingeschätzt werden.
Für die Region Zentralschweiz rechnet das Bundesamt für Statistik mit einer Annäherung zwischen dem Bedarf und der Zahl der ausgebildeten Personen auf Primarstufe. Während in den nächsten Jahren weiterhin mit einem grossen Nachfrageüberschuss zu rechnen ist, wird die Situation im Jahr 2031 als ausgewogen eingeschätzt. Zu diesem Zeitpunkt würden die pädagogischen Hochschulen der Zentralschweiz gemäss Referenzszenario deutlich mehr Lehrpersonen ausbilden, als in der Region gefragt sind. Wird die Mobilität der Absolvierenden zwischen Abschluss und Berufseinstieg berücksichtigt, dürfte dies zu einem ausgewogenen Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage führen.
Datenbasis und Literatur
Datenbasis
Der Bildungsbericht basiert hauptsächlich auf statistischen Daten. Die Wahl der Quellen und Auswertungsmethoden erfolgte auf der Grundlage statistischer Überlegungen und folgt den Qualitätskriterien der öffentlichen Statistik.
- Bundesamt für Statistik: Statistik des Schulpersonals
- Bundesamt für Statistik: Statistik der Lernenden (Datenstand: 27.03.2024)
- Bundesamt für Statistik: Hochschulstatistik (Datenstand: 28.06.2023)
- Bundesamt für Statistik: Längsschnittanalysen im Bildungsbereich
- Bundesamt für Statistik: Szenarien für die obligatorische Schule
- Bundesamt für Statistik: Absolventenstudien Hochschulen (EHA)
- LUSTAT Statistik Luzern: Bildungsszenarien
Für einzelne Auswertungen sind weitere Datenquellen des Bundsamts für Statistik sowie Statistiken kantonaler Stellen verwendet worden.
Literatur
- econcept ag (2023): Befragung zum Lehrpersonenmangel im Kanton Luzern. Schlussbericht. Zürich.
- Bildungsdirektoren-Konferenz Zentralschweiz (2023): Lohndatenerhebung der Lehrkräfte der Deutschschweizer Kantone. Luzern.
- Bundesamt für Statistik (2022): Verbleib der Lehrkräfte an der obligatorischen Schule. BFS Aktuell. Neuchâtel.
- Bundesamt für Statistik (2022): Szenarien 2022–2031 für die Lehrkräfte der obligatorischen Schule. BFS Aktuell. Neuchâtel.
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