Krebs in den Kantonen der Zentralschweiz 2013-2017 - Studie Krebsversorgung

Mit gezielten Interventionen die Lebensqualität von Krebsbetroffenen verbessern

Interview mit Oliver Kessler, Projektleiter der neuen HSLU-Studie zur Verbesserung der Lebensqualität von Krebsbetroffenen in der Zentralschweiz

Herr Kessler, was beeinflusst die Lebensqualität von Krebspatienten/-innen positiv?

Für einen Viertel bis zu fast einem Drittel der Befragten beeinflussen die folgenden beiden Faktoren die Lebensqualität massgeblich: die eigene "positive Lebenseinstellung bewahren" und die Unterstützung durch Ehepartner/-innen, Eltern, Kinder, andere Verwandte wie Geschwister sowie Freunde/-innen oder Arbeitskollegen/-innen. Auch eine emphatische und persönliche Fachbetreuung übt einen grossen Einfluss aus. Was die hochstehende Qualität der medizinischen Behandlung betrifft, so scheint diese interessanterweise von den meisten Krebsbetroffenen vorausgesetzt zu werden. Sie beeinflusst also deren Lebensqualität vor allem negativ, nämlich, wenn etwas nicht optimal läuft.

Wer hat an Ihrer Studie teilgenommen?

An der Umfrage haben 235 Krebspatienten/-innen und 48 Angehörige aus der Zentralschweiz teilgenommen. Trotz gleich hohem Erkrankungsrisiko befanden sich nur gut 30 Prozent männliche Krebsbetroffene unter den Antwortenden. Seit Projektstart werden wir zudem von einer interdisziplinären Begleitgruppe unterstützt, die aus 2 Patientinnen und 12 Fachpersonen besteht. Sie ist für uns sehr wichtig, zumal sie mit uns zum Beispiel die Studienresultate aus Sicht der Praxis diskutiert.

Wo sehen Sie Verbesserungspotenziale in der Zentralschweizer Krebsversorgung?

Auch wenn die befragten Patienten/-innen mit der Krebsversorgung in der Zentralschweiz sehr zufrieden sind, finden fast 20 Prozent von ihnen, sie seien über-, unter- oder fehlversorgt worden. Das heisst, sie haben Behandlungen erhalten, die sie eigentlich nicht wollten, Behandlungen nicht erhalten, die sie als notwendig erachtet hätten und/oder Behandlungen erlebt, die ihnen geschadet haben (z.B. bleibende Störung der Funktionen). 45 Prozent der Befragten gaben an, keine Angebote oder Informationen zur Krebsprävention gekannt zu haben. Eine effektivere Früherkennung ist die am häufigsten genannte Verbesserungsmassnahme. Die vielen sich ergänzenden Angebote, beispielsweise jene der Krebsliga oder der Psychoonkologie, könnten besser miteinander vernetzt werden. Weiteres Verbesserungspotenzial sehen wir in der Koordination innerhalb des Behandlungsverlaufs sowie in der Kommunikation. Die Patienten/-innen wünschen sich teilweise eine stärker auf ihre Bedürfnisse ausgerichtete Versorgung und eine empathischere Kommunikation. 21 Prozent der antwortenden Krebsbetroffenen gaben an, nach der Diagnose nicht genügend Zeit für klärende Gespräche gehabt zu haben.

Auf welchem Weg fliessen die Ergebnisse Ihrer Studie ins Gesundheitswesen ein?

Die Studie macht auf verbesserungswürdige Aspekte im Versorgungssystem aufmerksam. Als Bestandesaufnahme dient sie der Diskussion über den konkreten Handlungsbedarf und einzuleitende Massnahmen in der Krebsversorgung. Wir sind zurzeit dabei, vertiefte Auswertungen vorzunehmen. Konkrete Lösungsvorschläge wollen wir in Dialogveranstaltungen gemeinsam mit Betroffenen, Angehörigen und Spezialisten/-innen aus dem Gesundheitsbereich erarbeiten. Es ist erwiesen, dass gezielte Interventionen die Lebensqualität von Krebsbetroffenen und die Versorgungseffizienz verbessern können.

Oliver Kessler ist Dozent und Projektleiter an der Hochschule Luzern – Wirtschaft.

Die Studie zur Krebsversorgung trägt den Titel "Verbesserung der Lebensqualität und der Versorgungseffizienz in der Zentralschweizer Krebsbehandlung – Regionale Patientenpfade, interprofessionelle Behandlungssettings und Cancer Survivorship". Das Projekt geht auf eine Initiative des Teams mit dem Themenschwerpunkt "Öffentliches Gesundheitsmanagement" der Hochschule Luzern – Wirtschaft zurück (www.hslu.ch/oegm) und wird massgeblich von All.Can Schweiz finanziert (www.allcan-schweiz.ch).

Mit einer Befragung wurden 2019/2020 die Bedürfnisse und Erfahrungen von Krebsbetroffenen und deren Angehörigen erhoben. Im Rahmen von Vernetzungsaktivitäten und Dialogveranstaltungen mit Leistungserbringern, Patienten/-innen, Angehörigen, kantonalen Stellen, Krankversicherungen und weiteren Akteuren werden ab 2021 konkrete Entwicklungsprojekte in der Zentralschweiz miteinander vernetzt, neu entwickelt und angestossen (www.hslu.ch/krebs).

Kontakt

Agnes Zwimpfer

E-Mail: agnes.zwimpfer@lustat.ch

Telefon: +41 41 228 73 26

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