Aussenhandel 2018

Gut zwei Drittel der Luzerner Exporte gehen nach Europa

Luzerner Unternehmen exportierten 2018 Waren im Wert von 5,2 Milliarden Franken. Gegenüber 2017 stiegen die Ausfuhren um 8,2 Prozent an (CH: +5,7%). Damit verzeichnete der Kanton Luzern seit Beginn der Statistik im Jahr 1995 den höchsten Jahreswert. Die Exporte aus dem Kanton Luzern machten 2018 rund 2,3 Prozent aller gesamtschweizerischen Ausfuhren aus. Das Exportwachstum setzt sich gemäss den noch provisorischen Zahlen im ersten Quartal 2019 nicht fort: Im Vergleich zur Vorjahresperiode sanken die Luzerner Exporte um −2,2 Prozent (CH: +5,4%).

Neben den Exporten nahmen auch die Luzerner Importe gegenüber dem Vorjahr zu. Sie stiegen 2018 um 5,9 Prozent (CH: +8,7%). Insgesamt importiert der Kanton Luzern mehr als er exportiert: Im Jahr 2018 lag das Handelsbilanzdefizit bei rund 5,8 Milliarden Franken. Gesamtschweizerisch resultierte ein Exportüberschuss von 29,8 Milliarden Franken. Der Überschuss war unter anderem durch die positiven Handelsbilanzen der beiden exportstarken Kantone Basel-Landschaft (26,6 Mia. Fr.) und Basel-Stadt (14,7 Mia. Fr.) geprägt.

Dies zeigen die neusten Zahlen der Aussenhandelsstatistik der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV). Bei der Analyse wurden Gold in Barren und andere Edelmetalle, Münzen, Edel- und Schmucksteine sowie Kunstgegenstände und Antiquitäten nicht berücksichtigt.

Unterdurchschnittliche Exportquote

Die Exportquote gibt einen Anhaltspunkt, welche Bedeutung die Exporte volkswirtschaftlich haben. 2016 betrug der Exportanteil am Luzerner Bruttoinlandprodukt 17,3 Prozent und war somit einiges tiefer als in der Gesamtschweiz (31,4 %). Die Importquote und somit die wirtschaftliche Bedeutung der Importe war im Kanton Luzern hingegen um einiges höher (LU: 36,2%, CH: 26,0%). Nach Luzern importiert wurden 2018 hauptsächlich Fahrzeuge (31,8%) sowie Maschinen, Apparate und Elektronik (27,2%).

Deutschland als wichtigster Exportmarkt

Europäische Abnehmer sind für die Luzerner Exportwirtschaft von zentraler Bedeutung. 67,0 Prozent des Luzerner Exportvolumens gingen 2018 nach Europa. Vor allem Deutschland ist für die hiesigen Exporteure ein wichtiges Zielland: 29,8 Prozent der Luzerner Ausfuhren waren für das nördliche Nachbarland bestimmt. Die übrigen Exporte hatten 2018 hauptsächlich Asien (13,7%) oder Amerika (12,8%) zum Ziel. Darunter sind die wichtigsten Länder China (ohne Hongkong) und die USA. Ihr Anteil am Luzerner Gesamtexport betrug 5,5 bzw. 10,1 Prozent.

Die Luzerner Exportmärkte unterscheiden sich nicht substanziell von jenen der Gesamtschweiz. Für die schweizerischen Exporte insgesamt von etwas grösserer Bedeutung als für die Luzerner Exporte sind asiatische und amerikanische Abnehmer mit Anteilen von 21,6 bzw. 20,9 Prozent. Exporte nach Europa machten schweizweit 54,7 Prozent aus, dabei lag der Anteil von Deutschland mit 18,8 Prozent deutlich tiefer als im Kanton Luzern. Ein weiterer Unterschied zeigt sich bei den Exporten nach Afrika: Schweizweit betrug ihr Anteil 1,6 Prozent, im Kanton Luzern hingegen 5,9 Prozent.

Maschinen und Apparate sind Luzerner Exportschlager

Bei der Zusammensetzung der Exporte nach Warenart spielt die Struktur der lokalen Wirtschaft und Industrie eine wichtige Rolle. Die starke Präsenz des Maschinenbaus und der Metallbearbeitung prägt die Zusammensetzung der Luzerner Exporte: 2018 entstammten 23,1 Prozent der Ausfuhren der Warengruppe „Maschinen, Apparate und Elektronik“ und 19,2 Prozent der Warengruppe „Metalle“. Mit 13,5 Prozent der Luzerner Ausfuhren waren die landwirtschaftlichen Produkte ebenfalls wichtige Exportgüter. Schweizweit lagen im Jahr 2018 sowohl der Anteil der Warengruppe „Maschinen, Apparate und Elektronik“ (14,2%) als auch derjenige der Gruppe „Metalle" (5,9 %) deutlich tiefer als in Luzern. Dies hat auch mit der schweizweit grossen Bedeutung der Exporte von pharmazeutisch-chemischen Produkten (45,3%) sowie von Präzisionsinstrumenten und Uhren (21,4%) zu tun.

Gerade bei den landwirtschaftlichen Produkten aus dem Kanton Luzern sind die Anteile je nach Destination unterschiedlich (vgl. untenstehende Grafik). An den Exporten nach Afrika machten sie 79,2 Prozent aus, nach Asien 19,6 Prozent. Die landwirtschaftlichen Exporte nach Amerika und Europa dagegen lagen mit einem Anteil von 7,9 bzw. 7,5 Prozent deutlich tiefer. Über die Hälfte der Luzerner Exporte nach Amerika waren "Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie (26,6%) oder "Maschinen, Apparate und Elektronik" (25,0%). Mit 29,0 Prozent war der Anteil der letztgenannten Warengruppe bei den Exporten nach Asien leicht höher. Nach Europa wurden besonders oft Metalle (24,1%) und „Maschinen, Apparate und Elektronik“ (22,1%) exportiert.

Konsumgüter machen über ein Viertel der Ausfuhren aus

Eine alternative Betrachtung der Exportgüter ist die Kategorisierung nach Verwendungszweck. Es wird zwischen Rohstoffen und Halbfabrikaten, Konsumgütern, Investitionsgütern und Energieträgern unterschieden. Die Unterteilung der Waren erfolgt gemäss EZV „entsprechend ihrer üblichen Verwendung“ in Haupt- und Untergruppen. Zu den Investitionsgütern zählen beispielsweise Fabrikations- und Arbeitsmaschinen, Nutzfahrzeuge oder Baubedarfswaren. Unter den Rohstoffen und Halbfabrikaten werden zum Beispiel Rohstoffe zur Nahrungsmittelherstellung, chemische Grundstoffe, Metallwaren und Zwischenprodukte aus verschiedenen Materialien verstanden.

Aus dem Kanton Luzern wurden im Jahr 2018 vor allem Rohstoffe und Halbfabrikate (LU: 40,7%, CH: 16,0%) sowie Investitionsgüter (LU: 33,3%, CH: 22,3%) exportiert. Unter den Rohstoffen und Halbfabrikaten fanden sich dabei überwiegend Metallwaren. Die Investitionsgüter setzten sich primär aus Fabrikations- und Arbeitsmaschinen sowie Maschinen und Geräten des Dienstleistungsgewerbes (z.B. Spital- und Praxiseinrichtungen) zusammen. Die Luzerner Konsumgüterexporte umfassten in erster Linie Nahrungs- und Genussmittel sowie Arzneiwaren und machten insgesamt 25,9 Prozent der Ausfuhren aus (CH: 60,5%). Die Energie-Exporte sind sowohl auf Kantons- wie auch auf Landesebene von sehr geringer Bedeutung.

Transport erfolgt grösstenteils auf der Strasse

Exporte aus dem Kanton Luzern wurden 2018 beim Grenzübertritt vornehmlich auf der Strasse befördert (74,6% des Exportwerts in Fr.). Der Luftverkehr folgte mit 17,2 Prozent an zweiter Stelle. Gesamtschweizerisch kam der Lufttransport mit einem Anteil von 39,7 Prozent häufiger zum Zug; auf der Strasse wurden schweizweit 55,0 Prozent exportiert. Der Bahnverkehr war gemessen am Warenwert sowohl bei Exporten aus dem Kanton Luzern (5,4%) als auch aus der Gesamtschweiz (2,3%) von untergeordneter Bedeutung.

Etwas anders sieht die Verteilung auf die erwähnten Verkehrswege aus, wenn der Berechnung anstatt der Exportwert in Franken die Exportmenge in Tonnen zugrunde gelegt wird. Diese Perspektive gibt Auskunft über die Beanspruchung von Infrastruktur und Umwelt, während der Exportwert primär im Kontext der Konjunktur von Bedeutung ist. Aus dem Kanton Luzern wurden 2018 knapp 19'450 Tonnen Waren exportiert. Der Anteil des Lufttransports bei Ausfuhren aus Luzern machte dabei 0,2 Prozent aus. Vor allem die Bahn (17,6%), aber auch die Strasse (79,5%) gewinnen aus der Perspektive nach Exportmenge an Gewicht. Der Vergleich mit der Gesamtschweiz zeigt, dass im Kanton Luzern der Anteil des Lufttransports ausserordentlich tief ist. In der Gesamtschweiz verliessen 2018 insgesamt 4,2 Prozent der Exportmenge das Land auf dem Luftweg. Dies entspricht gut 834'000 Tonnen.

Autorin: Sibylle Haas / 2. Juli 2019

Kontakt

Sibylle Haas

E-Mail: sibylle.haas@lustat.ch

Telefon: +41 41 228 73 23

Analysen

Unternehmensdemografie 2016

Drei Jahre nach ihrer Neugründung sind noch über 60 Prozent der Unternehmen aktiv

Der LUSTAT-Webartikel behandelt das Thema Unternehmensdemografie im Kanton Luzern. Im Fokus stehen die Unternehmensgründungen und -schliessungen nach einzelnen Branchen, Unternehmensgrösse und Rechtsformen. Zudem werden die Überlebensraten der Neugründungen betrachtet.

Luzerner Wirtschaft – Konjunktur 1. Quartal 2019

Luzerner Industrie spürt schwächelnde Weltwirtschaft

Die LUSTAT-Webanalyse zur Konjunktur behandelt quartalsweise die Entwicklungen im Kanton Luzern auf Basis der Umfrage der KOF-Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. Sie enthält – grafisch aufbereitet – weitere Ergebnisse und Fakten zum aktuellen Luzerner Wirtschaftsgeschehen.

Tourismus im Kanton Luzern 2018

Chinesische Gäste häufig auf Stippvisite in Luzern

Die LUSTAT-Webanalyse zum Tourismus im Kanton Luzern betrachtet die Entwicklung der Logiernächte sowie der Herkunft und der Aufenthaltsdauer der Touristen/-innen im Kanton.