Steuerkraft 2019

Natürliche Personen tragen zu fast 90 Prozent zum Steuervolumen bei

Die Luzerner Gemeinden weisen 2019 insgesamt eine um 1,5 Prozent höhere relative Steuerkraft auf als noch 2018. Die absolute Steuerkraft ist um 2,7 Prozent gestiegen. Zwischen den Gemeinden bestehen weiterhin grosse Unterschiede. Gemeinden mit einer hohen relativen Steuerkraft finden sich insbesondere am Sempacher- und am Vierwaldstättersee, Gemeinden mit einer tiefen relativen Steuerkraft im Luzerner Hinterland und im Entlebuch. Seit Messbeginn im Jahr 1980 hat sich die relative Steuerkraft mehr als verdreifacht. Die Entwicklung der relativen Steuerkraft der einzelnen Gemeinden verläuft uneinheitlich: Gemeinden mit höherer relativer Steuerkraft sind grösseren Schwankungen ausgesetzt als Gemeinden mit tieferen Werten.

Ordentliche Steuern und absolute Steuerkraft erneut angestiegen

Die Erträge der ordentlichen Steuern der Luzerner Gemeinden sind von 1,29 Milliarden Franken (2018) auf 1,32 Milliarden Franken (2019) angestiegen. Dies entspricht einer Erhöhung um 36 Millionen Franken oder 2,8 Prozent.

Die absolute Steuerkraft ist eine Kennzahl, die den ordentlichen Steuerertrag um den Einfluss veränderter Steuerfüsse bereinigt. 2018 lag die absolute Steuerkraft der Luzerner Gemeinden insgesamt bei 687 Millionen Franken. 2019 hat sie sich auf 706 Millionen Franken erhöht. Dies entspricht einer Steigerung um 2,7 Prozent (+19 Mio. Fr.). Noch im Jahr 2000 hatte die absolute Steuerkraft 438 Millionen Franken betragen. Seit damals ist sie um 61,1 Prozent gestiegen.

Gemeinden unterscheiden sich deutlich in ihrer relativen Steuerkraft

Das kantonale Mittel der relativen Steuerkraft liegt 2019 bei 1'709 Franken. Die relative Steuerkraft entspricht der absoluten Steuerkraft geteilt durch die Wohnbevölkerung. Die 5 Luzerner Gemeinden mit der tiefsten relativen Steuerkraft sind Romoos (659 Fr.), Luthern (761 Fr.), Hergiswil (804 Fr.), Doppleschwand (856 Fr.) und Hasle (857 Fr.). Die 5 Luzerner Gemeinden mit der höchsten relativen Steuerkraft sind Meggen (4'882 Fr.), Weggis (3'941 Fr.), Horw (3'264 Fr.), Vitznau (3'018 Fr.) und Schenkon (2'733 Fr.). Insgesamt unterscheiden sich die Luzerner Gemeinden deutlich voneinander: Meggen weist als Gemeinde mit der höchsten relativen Steuerkraft eine 7,4-mal höhere relative Steuerkraft auf als Romoos, wo die relative Steuerkraft kantonsweit am tiefsten liegt. Als bevölkerungsstärkste Gemeinde liegt Luzern mit einer relativen Steuerkraft von 2'144 Franken über dem kantonalen Mittel. Emmen und Kriens, als bevölkerungsmässig zweit- bzw. drittgrösste Gemeinden, weisen eine relative Steuerkraft unter dem kantonalen Mittel auf (Emmen: 1'216 Fr. und Kriens 1'413 Fr.).

Die Gemeinden mit einer überdurchschnittlichen relativen Steuerkraft und jene mit einer tiefen relativen Steuerkraft verteilen sich unterschiedlich über den Kanton. Ein offensichtlicher Treiber einer sehr hohen relativen Steuerkraft ist der Seeanstoss einer Siedlung. Entsprechende Gemeinden finden sich am Vierwaldstättersee (Horw, Meggen, Luzern, Vitznau und Weggis) und am Sempachersee (Eich und Schenkon). Eine überdurchschnittliche Steuerkraft weisen zudem Gemeinden aus der Region Sursee und der Gegend Rontal/Rooterberg auf. Die tiefsten Ausprägungen der Steuerkraft mit einem Wert von unter 1'100 Franken finden sich in den Gemeinden der Region Entlebuch sowie in manchen Gemeinden um Willisau.

Relative Steuerkraft ist seit 2017 gestiegen

Wird die Entwicklung der relativen Steuerkraft zwischen 2017 und 2019 betrachtet, zeigt Horw die deutlichste Veränderung (+49%). Die Gemeinde nahm vor allem 2018 im Vergleich zu 2017 deutlich höhere Steuererträge ein. Auch die Gemeinden Weggis (+41%), Schlierbach (+31%), Mauensee (+19%) und Luthern (+19%) erhöhten ihre Steuerkraft seit 2017 deutlich. Negative Veränderungen weisen im gleichen Zeitraum 5 Gemeinden auf: Honau (–14%), Dierikon (–10%), Vitznau (–4%), Ufhusen (–2%) und Root (–1%). Am wenigsten verändert hat sich Altwis (+0,2%). Die Veränderungen der relativen Steuerkraft der drei bevölkerungsstärksten Gemeinden seit 2017 sind: Luzern (+7%), Emmen (+3%) und Kriens (+2).

Im kantonalen Mittel lag die relative Steuerkraft 2017 bei 1'570 Franken, 2018 bei 1'684 und 2019 bei 1'709 Franken pro Person, was der bisherige Höchstwert seit Messbeginn im Jahr 1980 ist. 2019 betrug der Anstieg gegenüber 2017 knapp 9 Prozent und gegenüber 2018 gut 1 Prozent. Damit verzeichnet die relative Steuerkraft insbesondere zwischen 2017 und 2018 einen deutlichen Anstieg. Hintergrund ist die damals vom Luzerner Regierungsrat geäusserte Absicht, per 2018 den zu versteuernden Anteil der Dividenden aus qualifizierten Beteiligungen von 50 auf 70 Prozent zu erhöhen. Der Kantonsrat hat später eine Erhöhung auf 60 Prozent beschlossen. Dies hatte 2017 überdurchschnittlich hohe Dividendenausschüttungen zur Folge, deren Besteuerung 2018 bei den Gemeinden als Steuernachträge in die Rechnung einging.

Relative Steuerkraft der Gemeinden entwickelt sich unterschiedlich

Unten stehende Grafik zeigt die Entwicklung der relativen Steuerkraft in den Luzerner Gemeinden seit 1980. Dunkelbau markiert sind diejenigen 5 Gemeinden, welche 2019 über die höchste relative Steuerkraft verfügten; hellblau diejenigen 5 Gemeinden mit der tiefsten Steuerkraft. Die Differenz von Meggen, das seit 1980 die höchste Steuerkraft aufweist, zu den restlichen Luzerner Gemeinden hat sich insbesondere in den 1990er-Jahren akzentuiert. Romoos weist seit 1988 die tiefste Steuerkraft im Kanton aus.

Während die beiden Gemeinden Meggen und Romoos bereits seit Jahren die höchste bzw. tiefste Steuerkraft ausweisen, ändert die Rangfolge bei den übrigen hoch bzw. tiefplatzierten Gemeinden regelmässig. Allerdings sind die Werte der hochplatzierten Gemeinden sehr viel volatiler. Vitznau und Schenkon, die beiden Gemeinden mit der viert- bzw. fünfthöchsten Steuerkraft im Jahr 2019, wiesen in früheren Jahren teilweise sogar unterdurchschnittliche Werte auf; Vitznau letztmals 2010 und Schenkon 1991. Die 5 Gemeinden mit der tiefsten relativen Steuerkraft weisen über die Zeit deutlich schwächere Schwankungen auf. Zwar erhöht sich ihre Steuerkraft seit 1980 kontinuierlich, die jährlichen Veränderungen sind jedoch deutlich geringer als bei den Gemeinden mit sehr hoher Steuerkraft. Die Steuererträge pro Einwohner/in zeigen in diesen Gemeinden folglich eine konstantere Entwicklung.

Juristische Personen tragen unterschiedlich zu Steuereinnahmen bei

Im kantonalen Mittel beträgt der Anteil der Steuern der natürlichen Personen an den ordentlichen Gemeindesteuern 89 Prozent und derjenige der juristischen Personen 11 Prozent. Auf Ebene der einzelnen Gemeinden bewegen sich die Anteile der juristischen Personen 2019 zwischen 0,1 und 25,2 Prozent. 43 Gemeinden haben einen Steueranteil juristischer Personen, der 6,0 oder weniger Prozent der ordentlichen Steuereinnahmen beträgt. Praktisch keine Bedeutung haben die juristischen Personen in den Gemeinden Honau (0,1%) und Fischbach (0,7%). Hohe Steueranteile juristischer Personen haben die Gemeinden Dierikon (25,2%), Root (24,0%) und Werthenstein (22,4%). Die Gemeinde Dierikon weist wiederholt hohe Steueranteile juristischer Personen aus. Spitzenwerte seit 2007 waren 57,3 Prozent im Jahr 2007 und 49,4 Prozent 2011. Die Volatilität bei den Steuereinnahmen der juristischen Personen ist grösser als bei den natürlichen Personen. Bei Meggen, der Gemeinde mit der höchsten Steuerkraft, haben die juristischen Personen einen relativen geringen Stellenwert (4,4%).

Autorin: Anita Brunner / 22. Oktober 2020

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