Gemeinderatswahlen 2020

Frauen trotz leicht höherer Erfolgsquote weiterhin in der Minderheit

Am 29. März 2020 wurde in den Luzerner Gemeinden der Gemeinderat für die Amtsdauer 2020–2024 neu gewählt. Der zweite Wahlgang fand am 28. Juni 2020 statt. Insgesamt zeigt sich, dass die zur Wahl angetretenen Frauen eine leicht höhere Erfolgsquote hatten als die Männer. Die Frauen bleiben aber in den Luzerner Gemeinderäten nach wie vor untervertreten.

Zum heutigen Zeitpunkt liegen die Wahlergebnisse von 78 Luzerner Gemeinden vor. In der Gemeinde Altishofen, die auf den 1. Januar 2020 mit der Gemeinde Ebersecken fusioniert hat, fand die Wahl bereits am 22. September 2019 statt. In den Gemeinden Hitzkirch und Altwis sowie Willisau und Gettnau, die jeweils auf den 1. Januar 2021 fusionieren werden, finden die Neuwahlen am 27. September 2020 statt.

LUSTAT hat im Rahmen der Luzerner Gemeinderatswahlen 2020 erstmals verschiedene Merkmale zu den Kandidierenden und Gewählten erhoben. Diese werden in der nachfolgenden Kurzanalyse thematisiert.

437 Personen kandidierten für 374 Gemeinderatssitze

Zur Wahl in die Luzerner Gemeinderäte 2020 traten 276 Männer und 161 Frauen an, also insgesamt 437 Personen. Am meisten Kandidierende stellte die CVP mit 187 Personen, gefolgt von der FDP mit 110 und der SVP mit 47. Die SP präsentierte 18 Personen, die GLP 6 und die Grünen 5. 46 Kandidierende gehörten keiner Partei oder Gruppierung an und bezeichneten sich als Parteilose. 18 Personen traten auf Wahllisten anderer Gruppierungen an.

Insgesamt waren 63 Prozent der Kandidierende Männer und 37 Prozent Frauen. Nach Parteien betrachtet, war der Frauenanteil bei der SP und der GLP mit je 50 Prozent am höchsten. Bei der CVP betrug der Frauenanteil 42 Prozent, bei den Parteilosen 39 Prozent, bei der FDP 30 Prozent und bei der SVP 28 Prozent. Unter den bisherigen Kandidierenden lag der Frauenanteil bei 34 Prozent, unter den neu angetretenen Kandidierenden bei 42 Prozent.

64 Prozent aller Kandierenden traten als bisherige Gemeinderäte oder -rätinnen zur Wahl an. Der Bisherigenanteil war bei den Männern höher als bei den Frauen (66% vs. 59%). Am meisten Bisherige stellten die FDP und die CVP mit 73 respektive 71 Prozent. Bei den Kandidierenden anderer Parteien oder Gruppierungen waren 67 Prozent Bisherige, bei den Parteilosen und der GLP je 50 Prozent. Auf den Wahlvorschlägen der SVP machten die Bisherige 40 Prozent aus, bei der SP 39 Prozent und bei den Grünen 20 Prozent.

2 von 5 der Gewählten sind Frauen

Insgesamt sind 374 Personen als Gemeinderäte oder -rätinnen gewählt worden, 235 Männer und 139 Frauen. 179 Gewählte gehören der CVP an, 103 der FDP und 31 der SVP. 11 Gewählte vertreten die SP, 3 die GLP und 2 die Grünen. 36 Gewählte sind parteilos und 9 gehören weiteren Parteien oder Gruppierungen an.

Der Frauenanteil unter den gewählten Exekutivmitgliedern beträgt insgesamt 37 Prozent. Bei der CVP und den Parteilosen stellen die Frauen je 42 Prozent der gewählten Gemeinderatsmitglieder, bei der SP 36 Prozent. In der Gruppe der anderen Parteien sowie bei der GLP besetzen die Frauen 33 Prozent der eroberten Sitze, bei der FDP 31 Prozent und bei der SVP 26 Prozent. Keine Gemeinderätin stellen die Grünen.

72 Prozent aller Gewählten sind bisherige, 28 Prozent neue Gemeinderatsmitglieder. Der Frauenanteil unter den bisherigen Gemeinderatsmitgliedern liegt bei 35 Prozent, unter den neu gewählten Gemeinderatsmitgliedern bei 42 Prozent.

Wahlerfolgsquote der Frauen leicht höher als diejenige der Männer

Bei den Gemeinderatswahlen 2020 waren 37 Prozent der Kandidierenden Frauen; unter den Gewählten war der Frauenanteil mit 37 Prozent gleich hoch. Die angetretenen Frauen weisen damit eine Erfolgsquote von 86 Prozent aus, die Männer eine von 85 Prozent.

Entscheidend für den Wahlerfolg war, ob eine Kandidatin oder ein Kandidat als Bisherige oder Bisheriger zur Wahl antreten konnte. Unter den Bisherigen betrug die Erfolgschance 96 Prozent, unter den neu Kandidierenden 67 Prozent. Die Frauen realisierten sowohl als Bisherige (99%) wie auch als neu Kandidierende (68%) eine leicht höhere Erfolgsquote als die Männer (95% und 66%).

Nach Parteien betrachtet, hängt die Wahlerfolgsquote davon ab, mit wie vielen Bisherigen eine Partei zur Wahl antritt. Mit zunehmendem Anteil an Bisherigen steigt der Wahlerfolg an. So wiesen die CVP und die FDP, bei denen mehr als 70 Prozent der Kandidierenden zu den Bisherigen gehörten, je eine Wahlerfolgsquote von etwas mehr als 90 Prozent aus. Parteien mit kleineren Bisherigenanteilen wie z.B. die Grünen (20%) hatten eine tiefere Wahlerfolgsquote (40%). Die Erfolgsquote pro Partei lag jeweils rund 20 bis 30 Prozentpunkte über dem Anteil der Bisherigen; Ausnahmen sind die GLP und die unter "Andere" zusammengefassten Gruppierungen.

Überdurchschnittliche Frauenvertretung in kleinen Gemeinden

In 70 der 78 Gemeinden waren pro Gemeinde jeweils 5 Gemeinderatssitze zu vergeben, in 8 Gemeinden jeweils 3 Sitze. In allen 78 Gemeinden wurde mindestens eine Frau in den Gemeinderat gewählt. In 30 Gemeinden nahm je eine Frau Einsitz im Gemeinderat; in 35 weiteren Gemeinden jeweils 2 und in 13 Gemeinden jeweils 3 Frauen. In insgesamt 17 Gemeinden erreichten die Frauen eine Mehrheit im Gemeinderat.

Im Durchschnitt traten 2020 pro Gemeinde 2,1 Frauen zu den Gemeinderatswahlen an. Gewählt wurden im Schnitt 1,8 Frauen pro Gemeinde. In Gemeinden mit weniger als 1'500 Einwohner/innen wurden im Durchschnitt am meisten Frauen in den Gemeinderat gewählt, nämlich 1,9 Frauen. In den Gemeinden mit mehr als 7'500 Einwohner/innen war die Zahl der gewählten Frauen im Schnitt mit 1,6 am tiefsten. In diesen Gemeinden war die Differenz zwischen der Zahl den angetretenen Frauen (2,4 pro Gemeinde) und den gewählten Frauen am grössten. Der Trend, dass sich in den grösseren Gemeinden deutlich mehr Personen zur Wahl stellen, als Sitze zu vergeben sind, zeigt sich auch bei den Männern: Angetreten waren im Schnitt 5,3 Kandidaten pro Gemeinde, gewählt wurden 3,4.

In den Gemeinden rund um die Stadt Luzern, also im Agglomerationskern und -gürtel, liegen vergleichsweise viele Gemeinden, wo nur eine Frau in den Gemeinderat gewählt wurde. Vergleichsweise häufig haben dagegen Gemeinden nordwestlich des Sempachersees 3 Gemeinderätinnen.

Autorin: Andrea Oppliger / 2. Juli 2020

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