Migration und Integration 2020

So wenig Einwanderungen wie seit 2012 nicht mehr

Im Kanton Luzern leben 79'215 Ausländer/innen mit ständigem und 2'333 mit nichtständigem Wohnsitz, so die neusten Bevölkerungszahlen von Ende 2020. Seit 1990 hat sich die Zahl der Ausländer/innen mit ständigem Wohnsitz im Kanton mehr als verdoppelt (+42'681 Personen). Der Ausländeranteil hat im gleichen Zeitraum von 11,3 auf 19,0 Prozent zugenommen und liegt damit weiterhin deutlich unter dem schweizerischen Durchschnitt. Dieser ist im gleichen Zeitraum von 16,7 auf 25,5 Prozent angestiegen. Im Lauf des Jahrs 2020 zogen 4'774 Personen vom Ausland in den Kanton Luzern, so wenige wie seit 2012 nicht mehr.

Grösste Ausländergruppe stammt aus Deutschland

82,3 Prozent aller im Kanton Luzern wohnhaften Ausländer/innen stammen aus dem europäischen Raum. Davon kommen 57,2 Prozent aus einem Mitgliedstaat der Europäischen Union (EU27). Im Vergleich sind die Ausländergruppen aus Asien (9,6%), Afrika (5,2%) und Amerika (2,6%) klein. Nach Nationalität stellen die 14'267 deutschen Staatsangehörigen die grösste Gruppe dar (18,0%), gefolgt von Personen aus Italien (10,6%), dem Kosovo (10,2%), Portugal (9,5%) und Serbien (4,8%). Insgesamt kommen die im Kanton Luzerner wohnhaften Ausländer/innen aus 168 unterschiedlichen Ländern.

Italiener/innen mit höchstem positivem Wanderungssaldo

Im Jahr 2020 zogen 4'774 Personen vom Ausland in den Kanton Luzern und nahmen hier ständigen Wohnsitz. Die Zahl der Einwanderungen in den Kanton Luzern war damit so tief wie seit 2012 nicht mehr. Viele der 2020 eingewanderten Personen sind Schweizer/innen (16,2%), Deutsche (14,5%) oder Italiener/innen (8,3%). Insgesamt 4'103 Personen der ständigen Wohnbevölkerung verliessen den Kanton ins Ausland. 17,7 Prozent davon Schweizer/innen, 13,8 Prozent Deutsche und 7,3 Prozent Portugiesen/-innen.

Die internationalen Wanderungssaldi (Einwanderungen abzüglich Auswanderungen) zeigen, dass 2020 netto am meisten Italiener/innen (+175 Personen) in den Kanton Luzern kamen, gefolgt von deutschen Staatsangehörigen (+126 Personen) und Kosovaren/-innen (+91 Personen). Auch bei den Personen mit schweizerischer Staatsangehörigkeit zeigte sich 2020 ein positiver internationaler Wanderungssaldo (+48 Personen). Die höchsten negativen Wanderungssaldi (mehr Auswanderungen als Einwanderungen) wiesen Personen mit portugiesischer (−135 Personen), vietnamesischer (−43 Personen) und chinesischer (−32 Personen) Staatsangehörigkeit auf.

Zunahme bei den Asylgewährungen

Die Mehrheit der Ausländer/innen mit ständigem Wohnsitz im Kanton Luzern besitzt eine Niederlassungsbewilligung (Ende 2020: 60,1%). Personen mit Jahresaufenthalt machen 35,5 Prozent aus, 3,7 Prozent sind vorläufig Aufgenommene oder Personen im Asylprozess mit einer Gesamtaufenthaltsdauer von mindestens 12 Monaten.

Sowohl die Zahl der Asylgesuche als auch die jeweiligen Nationalitäten der Antragsstellenden hängen unter anderem vom politischen Weltgeschehen ab. Die Personen im Asylprozess stammen am häufigsten aus den Ländern Afghanistan (Ende 2020: 24,8%), Eritrea (20,1%) und Syrien (19,3%). Insgesamt wurde 2020 im Kanton Luzern 336 Personen Asyl gewährt, 19 mehr als im Vorjahr. Dabei wurden 29,4 Prozent aller behandelten Gesuche anerkannt. Die höchste Anerkennungsquote erzielten Personen aus Eritrea (72,5%), der Türkei (68,0%) sowie Sri Lanka (29,9%) und Iran (29,8%).

Jede/r zehnte Schweizer/in besitzt Doppelbürgerschaft

Mit dauerhafter Niederlassung und zunehmender Integration lässt sich ein Teil der ausländischen Wohnbevölkerung einbürgern. 2020 wurden im Kanton Luzern 1'186 Ausländer/innen eingebürgert, das sind 34 Personen mehr als im Vorjahr. Gemessen an der Gesamtzahl der ausländischen ständigen Wohnbevölkerung im Kanton Luzern entspricht dies einer Ziffer von 15,1 Einbürgerungen pro 1'000 Ausländer/innen.

Am häufigsten wurden Bürger/innen aus der Europäischen Union eingebürgert (EU27: 560 Personen), davon am meisten Deutsche (335 Personen) und Italiener/innen (70 Personen). Vergleichsweise häufig erhielten auch Personen aus dem Kosovo (199 Personen) das Schweizer Bürgerrecht. Die grosse Mehrheit der 2020 Eingebürgerten erhielt das Schweizer Bürgerrecht im ordentlichen Verfahren (77,3%).

Gemäss den neusten Zahlen der Strukturerhebung 2019 haben 10,7 Prozent der schweizerischen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren im Kanton Luzern neben dem Schweizer Pass mindestens eine weitere Staatsbürgerschaft. 20,1 Prozent von ihnen besitzen zusätzlich die italienische Staatsangehörigkeit und 12,3 Prozent die deutsche.

22 Prozent der Luzerner/innen wurden im Ausland geboren

22,3 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung, die Ende 2020 im Kanton Luzern wohnten, sind im Ausland zur Welt gekommen. Bei den Schweizer Staatsangehörigen beläuft sich dieser Anteil auf 8,9 Prozent, bei den ausländischen Staatsangehörigen auf 79,5 Prozent. Umgekehrt wurden von den Ausländer/innen mit ständigem Wohnsitz in Luzern 16,6 Prozent im Kanton Luzern und 3,9 Prozent in einem anderen Schweizer Kanton geboren.

Gemäss den neusten verfügbaren Zahlen aus dem Jahr 2019 hat im Kanton Luzern über ein Viertel der ständigen Wohnbevölkerung ab 15 Jahren einen Migrationshintergrund (29%). Von diesen insgesamt rund 98'300 Personen besitzen rund 35'900 Personen die Schweizer Staatsbürgerschaft. Beim Migrationsstatus wird unterschieden zwischen Personen, die selbst in die Schweiz eingewandert sind (Migranten/-innen der ersten Generation), und Personen, deren Eltern über eigene Migrationserfahrungen verfügen (Migranten/-innen der zweiten Generation). Im Kanton Luzern gehören rund 9 von 10 ausländischen Personen zur ersten Ausländergeneration, und rund 1 von 10 Personen zählt zur zweiten oder einer höheren Ausländergeneration.

Grosse regionale Unterschiede beim Ausländeranteil

Der Ausländeranteil unterscheidet sich regional stark. Er liegt in den urbanen Regionen oftmals höher als in den ländlichen Regionen. Die regionalen Differenzen können verschiedene Gründe haben und beispielsweise mit den Beschäftigungschancen, dem Wohnungsmarkt, der Einbürgerungspolitik oder funktionierenden Netzwerken von ausländischen Personen in Zusammenhang stehen. Mit einem Wert von 36,0 Prozent hat die Gemeinde Emmen den höchsten kommunalen Ausländeranteil im Kanton Luzern. Daneben zeigen die Gemeinden Nebikon, Vitznau und Büron ebenfalls hohe Werte (je >27%). Am niedrigsten liegt der Ausländeranteil in der Gemeinde Romoos mit 3,0 Prozent. Ebenfalls Werte unter 5,0 Prozent verzeichnen die Gemeinden Hasle, Doppelschwand und Luthern.

Autorin: Sibylle Haas / 19. Oktober 2021

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Sibylle Haas

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